HDT steht für Heat Deflection Temperature und bezeichnet die Formbeständigkeitstemperatur unter Last. Ein belasteter Probekörper wird kontrolliert erwärmt, bis eine festgelegte zusätzliche Durchbiegung erreicht ist. Er verformt sich also nicht erst ab diesem Punkt. Das Ergebnis ist ein Vergleichskennwert unter bestimmten Prüfbedingungen, keine scharfe Grenze zwischen einem sicheren und unsicheren Bauteil.
Die Normenreihe ISO 75 beschreibt die Prüfung in Drei-Punkt-Biegung. ISO 75-2 unterscheidet für Kunststoffe die Prüfspannungen 1,80 MPa (Methode A), 0,45 MPa (B) und 8,00 MPa (C). Für die Auswertung sind der zutreffende Normteil, Probekörper, Heizrate und Belastung anzugeben; verstärkte Werkstoffe können unter einen anderen Teil der Normenreihe fallen. Eine niedrigere Prüfspannung ergibt häufig einen höheren HDT-Wert. Werte mit verschiedenen Prüfbedingungen sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.
HDT und Glasübergangstemperatur (Tg) beschreiben unterschiedliche Vorgänge. Tg charakterisiert den Glasübergang, beispielsweise über DSC oder DMA; HDT erfasst Verformung unter einer definierten Belastung. Faserverstärkung, Prüfspannung und Auswertung beeinflussen den Zusammenhang. Ein fester Abstand oder eine allgemeine Umrechnung zwischen den Größen ist nicht möglich.
Bei Reaktionsharzen beeinflusst der Härtungszustand beide Kennwerte. Eine geeignete Nachhärtung kann sie erhöhen, soweit das konkrete System dies ermöglicht. Zum Datenblattwert gehört deshalb immer der zugehörige Härtezyklus. Ein vorgegebener HDT-Wert lässt sich nicht durch einen allgemeinen Temperaturzuschlag zum Temperprogramm erzeugen.
Im Detail
- Warum die Prüfmethode dazugehörtOhne Angabe der Methode (A/B/C) ist ein HDT-Wert kaum vergleichbar. Geringere Last (Methode B) liefert höhere Temperaturen als hohe Last (Methode A). Beim Datenblatt-Vergleich also immer auf die gleiche Methode achten.
- HDT ist nicht die DauergebrauchstemperaturHDT ist ein Kurzzeit-Prüfwert. Zulässige Dauergebrauchstemperatur und Kriechverhalten sind für Belastung, Einwirkdauer, Feuchte und Bauteilaufbau gesondert zu beurteilen. Ein pauschaler Abstand von 20 oder 30 °C ersetzt diesen Nachweis nicht.
- Nachhärten ist systemabhängigOb eine Nachhärtung nötig ist und welche Werte sie ermöglicht, folgt aus dem Harzsystem. Vorhärtung, Heiz- und Kühlraten sowie Abstützung müssen zum Bauteil passen.
Mehr dazu: Hitzebeständigkeit von GFK