// FACHBEGRIFFE A–Z
GFK-Glossar – Fachbegriffe von A bis Z
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um GFK und Faserverbund – kurz und verständlich erklärt. Querverweise führen zu den passenden Dossiers und Praxis-Anleitungen.
A
Abreißgewebe (auch: Peel Ply)
Ein feinmaschiges Gewebe, das man nach dem Aushärten wieder abzieht. Es hinterlässt eine saubere, leicht raue Oberfläche, auf der spätere Klebungen oder Lackierungen zuverlässig haften.
Aramidfaser (auch: Kevlar, Aramid)
Eine sehr leichte, extrem schlag- und reißfeste Kunstfaser (bekannt als Kevlar®). Stark auf Zug, aber empfindlich gegen Druck – deshalb oft mit Glas oder Carbon kombiniert.
Arbeitsplatzgrenzwert (auch: AGW)
Die maximal zulässige Konzentration eines Gefahrstoffs (z. B. Styrol) in der Atemluft am Arbeitsplatz. Maßgeblich für Belüftung und Arbeitsschutz.
Autoklav
Ein beheizbarer Druckkessel, in dem hochwertige Bauteile unter Hitze und Überdruck aushärten. Liefert besonders dichte, blasenarme Laminate.
B
Barcol-Härte
Ein schneller Härtetest für ausgehärtetes Harz: Ein kleines Messgerät drückt eine Spitze ein, der Wert zeigt, ob das Laminat vollständig durchgehärtet ist.
Basaltfaser
Eine Verstärkungsfaser aus geschmolzenem Vulkangestein. Liegt mechanisch zwischen Glas- und Carbonfaser und ist chemisch sehr beständig.
Beschleuniger (auch: Accelerator)
Ein Zusatz (z. B. auf Cobalt-Basis), der die Aushärtung von Polyesterharz in Gang bringt. Steuert zusammen mit dem Härter die Gelierzeit.
BMC (auch: Bulk Moulding Compound)
Eine teigige, kurzfaserverstärkte Pressmasse für die Serienfertigung. Wird in beheizten Werkzeugen zu Formteilen verpresst.
C
Carbonfaser (auch: Kohlenstofffaser, CFK)
Hochfeste, sehr steife schwarze Faser aus Kohlenstoff. Leichter als Glas, aber deutlich teurer – das Material für Leichtbau auf Höchstniveau.
CSM (auch: Chopped Strand Mat, Schnittmatte)
Glasfasermatte aus kurzen, wirr verteilten Fasern. Passt sich gut an Rundungen an und ist die Basis im Handlaminat.
D
Delamination
Das Ablösen einzelner Laminatschichten voneinander – einer der gefährlichsten GFK-Schäden, weil das Bauteil dort seine Festigkeit verliert.
Digitaler Faden (auch: Digital Thread)
Die lückenlose digitale Datenspur eines Bauteils über seinen gesamten Lebensweg – von Konstruktion und Material über die Fertigung bis zur Prüfung. Dieser durchgehende rote Faden aus Daten (englisch Digital Thread) ist die verlässliche Grundlage für Rückverfolgbarkeit, Qualitätsnachweise und den digitalen Zwilling.
Dry Spot (auch: Trockenstelle)
Eine trockene, nicht mit Harz getränkte Stelle im Laminat. Entsteht vor allem bei Infusion oder RTM und schwächt das Bauteil.
E
E-Glas
Die Standard-Glasfaser im GFK – ein guter Kompromiss aus Festigkeit, Verarbeitung und Preis. Die meisten Bauteile bestehen aus E-Glas.
Entformen
Das Lösen des ausgehärteten Bauteils (oder der Form) von der Unterlage. Gelingt nur mit ausreichend Trennmittel.
Epoxidharz (auch: Epoxid, EP)
Ein hochwertiges Harz mit sehr guten mechanischen Eigenschaften und geringem Schwund. Teurer als Polyester, dafür maßhaltiger und beständiger.
Exotherme Reaktion (auch: Exothermie, Exotherme)
Die Wärme, die beim Aushärten von Harz frei wird. Zu viel Harz auf einmal wird zu heiß und führt zu Verzug und Rissen – deshalb dünn in Lagen arbeiten.
F
Faserspritzen (auch: Spray-up)
Verfahren, bei dem Harz und geschnittene Glasfasern gleichzeitig aus einer Spritzpistole auf die Form aufgetragen werden. Schnell für große Flächen.
Faservolumengehalt (auch: FVG)
Der Anteil der Fasern am Laminat. Je höher, desto fester und leichter das Bauteil – Handlaminat ~30 %, Infusion ~50 %, Prepreg ~60 %.
Filament Winding (auch: Wickelverfahren)
Wickelverfahren: harzgetränkte Endlosfasern werden nach Muster auf einen rotierenden Kern gewickelt. Ideal für Rohre, Tanks und Druckbehälter.
Fließhilfe (auch: Flow Medium)
Ein grobmaschiges Netzgewebe im Infusionsaufbau, durch das sich das Harz schnell über die Fläche verteilt.
Formflansch (auch: Flansch)
Der umlaufende, flache Rand einer Form. Gibt Stabilität, dient als Dichtfläche und als Auflage für Vakuumaufbau oder Verschraubung.
G
Gelcoat
Die erste, eingefärbte Harzschicht in der Form. Sie bildet die sichtbare, glänzende Oberfläche des fertigen Bauteils und schützt das darunterliegende Laminat.
Gelege
Verstärkung aus gestreckt übereinandergelegten und vernähten Faserlagen. Weil die Fasern nicht gewebt (und damit nicht gewellt) sind, ist es fester als Gewebe.
Gelzeit (auch: Gel Time)
Die Zeitspanne, in der angemischtes Harz vom flüssigen in den gelartigen Zustand übergeht. Danach lässt es sich nicht mehr verarbeiten.
Gewebe (auch: Woven Roving)
Verstärkung aus rechtwinklig verwobenen Faserbündeln. Hohe Festigkeit in der Fläche, durch die Welligkeit der Fasern aber etwas geringer als beim Gelege.
Glasübergangstemperatur (auch: Tg)
Die Temperatur, ab der ein ausgehärtetes Harz weich wird. Sie bestimmt, wie warm ein Bauteil im Einsatz werden darf.
H
Handlaminieren (auch: Hand Lay-up, Handlaminat)
Das manuelle Grundverfahren: Fasermatten werden Schicht für Schicht in die Form gelegt und von Hand mit Harz getränkt.
HDT (auch: Wärmeformbeständigkeit)
Wärmeformbeständigkeit: die Temperatur, bei der sich ein Bauteil unter Last zu verformen beginnt. Sie steigt durch Tempern.
Honeycomb (auch: Wabenkern, Wabe)
Wabenförmiges Leichtbau-Kernmaterial (Aluminium, Aramid). Extrem steif bei minimalem Gewicht – vor allem in Luftfahrt und Rennsport.
Härter (auch: Katalysator, Curing Agent)
Der Reaktionspartner, der das Harz aushärten lässt – bei Epoxid ein Amin, bei Polyester und Vinylester der Katalysator MEKP.
I
K
L
Laminat
Der eigentliche Faserverbund: mehrere mit Harz getränkte Faserschichten, die zusammen aushärten.
Light-RTM (auch: LRTM)
Eine sanftere RTM-Variante mit niedrigem Druck und leichter GFK-Gegenform. Liefert beidseitig glatte Teile in kleiner bis mittlerer Serie.
Lunker
Ein größerer Lufthohlraum im Laminat oder Gelcoat. Schwächt das Bauteil und zeigt sich oft als Blase oder Vertiefung.
M
MEKP
Der gängige Katalysator (Härter) für Polyester- und Vinylesterharz. Dosierung meist 1–2 % – exakt abwiegen statt schätzen.
Microballoons (auch: Mikroglashohlkugeln)
Winzige hohle Glaskügelchen, die Spachtel- und Klebemassen leichter und besser schleifbar machen.
Multiaxialgelege (auch: MAG)
Ein Gelege mit Fasern in mehreren Richtungen (z. B. 0°/90°/±45°), zu einem Paket vernäht. Belastbar in mehrere Richtungen zugleich.
N
Nachhärten (auch: Tempern, Post-Cure)
Kontrolliertes Nachhärten mit Wärme. Vervollständigt die Vernetzung und steigert Wärmebeständigkeit und Maßhaltigkeit.
Naturfaser
Pflanzliche Verstärkungsfaser (Flachs, Hanf, Jute). Leicht und nachhaltig, mit ordentlichen spezifischen Festigkeiten.
Negativform (auch: Weibliche Form)
Die Hohlform, in die laminiert wird. Ihre Innenfläche formt die sichtbare Außenseite des Bauteils.
O
P
Passstift (auch: Dowel Pin)
Ein Zentrierstift, der die Hälften einer geteilten Form exakt zueinander ausrichtet.
PET-Schaum
Ein recycelbarer, geschlossenporiger Hartschaum als Sandwich-Kern. Gut temperatur- und chemikalienbeständig.
Polyesterharz (auch: UP, UP-Harz)
Das am häufigsten genutzte GFK-Harz. Preiswert und einfach zu verarbeiten, mit Styrol verdünnt und mit MEKP gehärtet.
Positivform (auch: Männliche Form)
Eine nach außen gewölbte Form, auf die laminiert wird – die formabgewandte Seite wird die Außenseite des Bauteils.
Preform
Ein vorgeformtes, trockenes Faserpaket in Bauteilform, das anschließend (z. B. im RTM) mit Harz getränkt wird.
Prepreg
Mit Harz vorimprägniertes Fasermaterial. Wird kühl gelagert und unter Druck und Hitze ausgehärtet – höchste, gleichmäßige Qualität.
Print-Through (auch: Faserabzeichnung)
Das Durchzeichnen der groben Faserstruktur an der Oberfläche. Wird durch ein feines Stützlaminat hinter dem Gelcoat verhindert.
PSA (auch: Persönliche Schutzausrüstung)
Schutzausrüstung für die GFK-Verarbeitung: Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, Atemschutz und Schutzkleidung.
Pultrusion (auch: Strangziehen)
Endlosverfahren für Profile mit gleichbleibendem Querschnitt: Fasern werden durch ein beheiztes Werkzeug gezogen.
PVA (auch: Polyvinylalkohol)
Ein wasserlöslicher Trennfilm, der über das Wachs gesprüht wird. Bildet eine sichere Barriere und wird später mit Wasser abgewaschen.
PVC-Schaum
Geschlossenporiger Hartschaum (z. B. Divinycell®) – das verbreitetste Sandwich-Kernmaterial im Boots- und Fahrzeugbau.
R
Reaktivverdünner
Ein dünnflüssiges Monomer (z. B. Styrol), das das Harz verarbeitbar macht und beim Aushärten fest mit eingebaut wird – anders als ein Lösungsmittel.
Roving
Ein Bündel paralleler Endlosfasern (Glas, Carbon, Aramid). Die Grundform für Gewebe, Gelege und Wickelverfahren.
RTM (auch: Resin Transfer Moulding)
Geschlossenes Verfahren: trockene Fasern liegen in einer zweiteiligen Form und werden unter Druck mit Harz gefüllt. Beidseitig glatt und seriennah.
S
S-Glas
Eine hochfeste Glasfaser mit deutlich höherer Festigkeit als E-Glas – für besonders beanspruchte Bauteile.
Sandwich-Bauweise (auch: Sandwich)
Zwei dünne, feste Deckschichten mit einem leichten Kern dazwischen. Ergibt sehr hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht.
Schlichte (auch: Sizing)
Eine hauchdünne Beschichtung auf den Fasern, die die Haftung zum Harz verbessert und die Faser beim Verarbeiten schützt.
Schäftreparatur (auch: Scarf Repair)
Hochwertige Reparatur, bei der die Schadstelle flach kegelig angeschliffen (angeschäftet) und mit neuen Lagen aufgefüllt wird.
SMC (auch: Sheet Moulding Compound)
Plattenförmige Pressmasse aus Harz, Füllstoff und Kurzfasern. Wird in beheizten Stahlpressen zu Serienteilen verpresst.
Styrol
Das Reaktiv- und Lösungsmittel in Polyester- und Vinylesterharzen. Riecht stark und ist gesundheitsschädlich – gute Belüftung ist Pflicht.
Stützlaminat (auch: Skin Coat)
Die erste dünne Faserschicht direkt hinter dem Gelcoat. Sie verankert den Gelcoat und verhindert das Durchzeichnen der groben Fasern (Print-Through).
Surfacing Mat (auch: Oberflächenvlies)
Ein sehr feines Glasvlies, das direkt hinter dem Gelcoat laminiert wird, um Fasermarkierungen an der Oberfläche zu vermeiden.
T
Thixotropie
Die Eigenschaft, beim Rühren dünnflüssig und in Ruhe zäh zu werden. So läuft thixotrop eingestelltes Harz oder Gelcoat nicht von senkrechten Flächen.
Tooling-Gelcoat (auch: Formgelcoat)
Ein besonders harter, beständiger Gelcoat für den Formenbau. Er bildet die Arbeitsfläche der Form und übersteht viele Entformungen.
Topcoat
Eine abschließende Harzschicht mit Paraffinzusatz, die auch an der Luft klebefrei aushärtet. Ideal für Reparaturen und Laminat-Rückseiten.
Topfzeit (auch: Pot Life)
Die Verarbeitungszeit vom Anmischen bis zum Gelieren. Es sollte nur so viel angemischt werden, wie in dieser Zeit verarbeitet werden kann.
Trennmittel (auch: Formtrennmittel)
Eine dünne Trennschicht (Wachs, PVA oder ein semi-permanentes System), die verhindert, dass das Laminat an der Formoberfläche festklebt.
U
V
Vakuuminfusion (auch: Infusion)
Verfahren, bei dem trockene Fasern unter Vakuum mit Harz durchtränkt werden. Hoher Faseranteil, emissionsarm und gut reproduzierbar.
Vakuumsack (auch: Vacuum Bag)
Eine gasdichte Folie über dem Laminataufbau, mit der Vakuum erzeugt wird. Sie presst die Lagen zusammen und entzieht eingeschlossene Luft.
VARTM
Vakuum-unterstützte Infusion: Das Vakuum treibt das Harz durch die trockenen Fasern. Einseitige Form plus Vakuumsack als Gegenform.
Vinylesterharz (auch: VE)
Ein Harz zwischen Polyester und Epoxid: deutlich wasser- und chemikalienbeständiger als Polyester, ebenfalls mit MEKP gehärtet.
Vlies (auch: Nonwoven)
Ein textiles Flächengebilde aus ungeordnet abgelegten Fasern, nicht gewebt. Im GFK als feines Oberflächenvlies oder als Träger eingesetzt.