Abreißgewebe, im Englischen Peel Ply genannt, ist ein feinmaschiges Gewebe aus Kunstfaser, meist aus Polyamid (Nylon) oder Polyester. Man legt es als oberste Lage auf das noch nasse Laminat (den Verbund aus Fasern und Harz). Nach dem Aushärten zieht man es wieder ab – daher der Name. Es geht keine feste Verbindung mit dem Laminat ein, sondern saugt sich nur mit Harz voll und lässt sich danach ablösen.

Der eigentliche Nutzen liegt in der Oberfläche, die zurückbleibt. Das Gewebe hinterlässt einen gleichmäßigen, leicht rauen Abdruck. Die Fläche ist nicht harzfrei, aber sauber und frisch – ohne ausgehärtete Trennmittelreste oder Verschmutzung von außen. Genau das hilft bei späteren Arbeitsschritten: Auf einer glatten, harzglänzenden Oberfläche haften Klebstoff, Spachtel oder Lack schlecht. Auf der angerauten Peel-Ply-Fläche verzahnt sich der nächste Werkstoff meist deutlich besser.

Wichtig ist der Unterschied zwischen gewaschenem und ungewaschenem Abreißgewebe. Ungewaschene Ware kann Reste der Schlichte (einer Beschichtung, die beim Weben die Fasern schützt) auf der Fläche zurücklassen, was eine spätere Verklebung stören kann. Gewaschenes Gewebe hinterlässt eine sauberere, klebefähigere Fläche und ist die sichere Wahl, wenn anschließend geklebt oder lackiert wird. Achtung: Gewebe mit Silikon- oder PTFE-Trennbeschichtung wirken eher wie ein Trennmittel und sind für spätere Klebungen oft ungeeignet – hier hilft ein Blick ins Datenblatt.

Eine Einschränkung sollte man kennen: Beim Abziehen können mikroskopische Reste des Gewebes oder der Trennschicht auf dem Laminat zurückbleiben. Untersuchungen zeigen, dass solche Rückstände die Festigkeit einer Klebung mindern können. Für einfache Folgearbeiten reicht die Peel-Ply-Fläche meist aus; bei hoch belasteten, strukturellen Klebungen schleift man zur Sicherheit oft trotzdem noch leicht an oder reinigt die Fläche.

Viele Abreißgewebe haben farbige Kennfäden (eingewebte Markierfäden). So sieht man sofort, ob das Gewebe überall vollständig abgezogen wurde – ein vergessener Rest würde eine spätere Klebung von innen schwächen.

Im Detail

  • Trockene und nasse VariantenÜblich sind trockene Abreißgewebe (mit oder ohne Trennbeschichtung). Daneben gibt es vorimprägnierte nasse Varianten, die teurer sind, aber tendenziell sauberere und besser klebbare Flächen liefern. Trockene Gewebe können beim Abziehen vereinzelt Faserbruchstücke hinterlassen.
  • Rolle im VakuumaufbauIm Vakuumverfahren liegt das Abreißgewebe direkt auf dem Laminat – darüber kommen Fließhilfe und Saugvlies. Es trennt das Bauteil sauber von den Verbrauchsmaterialien und gibt die strukturierte Oberfläche vor.
  • Richtwerte zum FlächengewichtTypische Flächengewichte liegen je nach Produkt etwa zwischen 60 und 150 g/m², einzelne Gewebe auch darüber oder darunter. Die konkrete Wahl hängt von Bauteil und Anwendung ab – der genaue Wert steht im jeweiligen Datenblatt.