Die Schlichte (englisch: Sizing) ist eine extrem dünne Beschichtung, die der Faserhersteller schon beim Ziehen der Glasfasern aufträgt. Sie macht meist nur einen winzigen Anteil am Fasergewicht aus (Richtwert grob im Bereich unter 1 bis wenige Prozent, je nach Produkt/Datenblatt), entscheidet aber stark mit über die späteren Eigenschaften des Laminats – also des fertigen Verbunds aus Faser und ausgehärtetem Harz.
Man unterscheidet drei Arten. Die Textilschlichte besteht typischerweise aus Stärke und Ölen. Sie schützt das Garn beim Weben und Verarbeiten vor Abrieb und Bruch, verhindert das Aufspleißen (das Auffasern der Faserbündel) – wirkt aber einer guten Haftung zum Harz eher entgegen. Solche Gewebe müssen daher für hochwertige Laminate aufbereitet werden. Demgegenüber steht die Kunststoffschlichte, oft Finish genannt: Hier sitzt ein Haftvermittler auf der Faser, der gezielt eine feste Verbindung zwischen Glas und Kunstharz herstellt. Dazwischen liegt die Silanschlichte als Kompromiss: Sie enthält bereits haftvermittelndes Silan und braucht keine Nachbehandlung, hat aber etwas schlechtere textile Verarbeitungseigenschaften als reine Textilschlichte.
Kern des Haftvermittlers sind meist organofunktionelle Silane, zum Beispiel Aminosilane. Diese Moleküle haben zwei Enden: Das eine Ende bindet an die Glasoberfläche, das andere an das Harz (Epoxidharz, Polyesterharz oder Vinylesterharz). So entsteht eine Brücke an der Grenzfläche zwischen Faser und Matrix – genau dort, wo Kräfte vom Harz in die Fasern übertragen werden. Neben dem Silan enthält eine Schlichte oft Filmbildner, Gleitmittel und Netzmittel (je nach Produkt/Datenblatt).
Warum das wichtig ist: Ohne gute Anbindung kann das Harz noch so stark sein – die Last kommt nicht sauber in die Fasern. Eine gut abgestimmte Schlichte erhöht die interlaminare Scherfestigkeit (die Haftung zwischen den Schichten, oft ILSS genannt) und die Dauerfestigkeit. Der Vorteil zeigt sich besonders nach Feuchteeinwirkung: Eine harzpassende Schlichte schützt die Grenzfläche, eine schlechte Anbindung würde dort frühzeitig versagen.
Im Detail
- Auf das Harzsystem abgestimmtEine Schlichte ist kein Allzweckmittel, sondern auf eine Harzfamilie ausgelegt. Ein Gewebe mit Epoxy-Finish passt zu Epoxidharz; für Polyester oder Vinylester gibt es andere Schlichten. Wer das ignoriert, riskiert schlechtere Haftung.
- Meist HerstellergeheimnisDie genaue Rezeptur einer Schlichte ist in der Regel vertraulich. In Datenblättern findet man daher oft nur Hinweise wie Silanschlichte oder den Finish-Typ und die Harzeignung, nicht die volle Zusammensetzung.
- Textilschlichte entfernenGewebe mit reiner Textilschlichte (Stärke und Öl) lassen sich durch thermisches Aufbrennen (Tempern) von der Schlichte befreien und danach mit einem Finish versehen. Industriell üblich; in der Werkstatt greift man besser direkt zu gefinishten Geweben.