Ein Gewebe ist eine flächige Faserverstärkung, bei der Faserbündel im rechten Winkel miteinander verwoben sind. Die Bündel in Längsrichtung heißen Kette, die quer dazu verlaufenden Schuss. Beide Fadensysteme kreuzen sich abwechselnd über und unter den anderen Fäden. Dadurch hängen die Fäden mechanisch zusammen, und die Bahn bleibt ohne Naht oder Klebung formstabil. Verwendet werden meist Glasfasern, aber auch Carbon-, Aramid- oder Basaltfasern.

Der Begriff Woven Roving bezeichnet im engeren Sinn ein Gewebe aus Rovings, also aus dicken, gebündelten Endlosfasersträngen. Solche Rovinggewebe sind grob und schwer und bauen schnell Schichtdicke auf. Daneben gibt es feinere Filamentgewebe aus dünneren Garnen für dünne, glatte Laminate. Das Flächengewicht reicht je nach Produkt grob von etwa 80 g/m² bei sehr feinen Geweben bis über 800 g/m² bei schweren Rovinggeweben – die genauen Werte stehen immer im Datenblatt.

Wie sich ein Gewebe verhält, hängt stark von der Bindung ab, also vom Kreuzungsmuster. Bei der Leinwandbindung (Plain) kreuzt jeder Faden den nächsten Faden einzeln. Das gibt die höchste Schiebefestigkeit, also die Fäden lassen sich kaum gegeneinander verschieben; das Gewebe drapiert sich aber schlecht über Rundungen. Bei der Köperbindung (Twill, erkennbar am schrägen Streifenmuster) und noch stärker bei der Atlas- oder Satinbindung laufen die Fäden über mehrere andere Fäden hinweg, bevor sie kreuzen. Das macht das Gewebe geschmeidiger und drapierfähiger, also besser für komplexe Formen.

Der wichtigste Nachteil von Gewebe ist die Ondulation – die Welligkeit der Fäden. Weil sich Kette und Schuss ständig überkreuzen, verlaufen die Fasern nicht gerade, sondern leicht gewellt. Unter Zug müssen sich diese gewellten Fasern erst strecken, was Spannungen ins Harz trägt und die nutzbare Festigkeit senkt. Deshalb erreicht ein Gewebe nicht ganz die Werte eines Geleges (Multiaxialgelege), bei dem die Fäden gestreckt liegen und nur vernäht statt verwoben sind. Faustwert aus der Praxis: nichtgewellte Verstärkungen liegen je nach Quelle und Lastfall grob etwa 10 bis 40 Prozent über Geweben – eine Richtgröße, kein fester Wert.

Im Detail

  • Bindung wählenLeinwand für flache, schiebefeste Lagen; Köper und Atlas für Rundungen und Kanten dank besserer Drapierbarkeit. Mit höherem Flächengewicht steigt die Stabilität, die Verformbarkeit sinkt.
  • Gewebe oder GelegeGewebe ist robust, formstabil und günstig; Gelege bringt bei gestreckten Fasern mehr Festigkeit und Steifigkeit pro Gewicht. Im Formenbau oft kombiniert: Gewebe als Grundlage, Gelege für hoch belastete Zonen.
  • RichtungsabhängigEin Gewebe trägt vor allem in Kett- und Schussrichtung (0 und 90 Grad). Für Lasten unter anderen Winkeln werden Lagen verdreht (z. B. plus/minus 45 Grad) gestapelt, um eine gleichmäßigere Festigkeit zu erreichen.