Glasfaser kommt nicht als lose Faser in die Form, sondern als textiles Halbzeug – als Matte, Gewebe oder Gelege. Diese Form bestimmt, wie gut sich die Faser tränken und drapieren lässt, wie hoch der erreichbare Faseranteil ist und wie viel der theoretischen Faserfestigkeit am Ende im Bauteil ankommt.

Drei Glasfaser-Verstärkungen im Vergleich: CSM (Wirrfasermatte) mit regellosen Fasern, Gewebe (zum Beispiel Köper) mit Über-unter-Bindung und Gelege (NCF) mit gestreckten, parallel liegenden Faserbündeln.
Verstärkungstypen im Vergleich: Wirrfasermatte (CSM), Gewebe und gestrecktes Gelege (NCF).KI-generiert

Die drei Halbzeuge in Kürze

  • Schnittmatte (CSM): kurze, wirr verteilte Fasern mit Binder. Richtungsunabhängig (isotrop), passt sich gut an Rundungen an, aber niedrigster Faseranteil und niedrigste Festigkeit.
  • Gewebe (Woven Roving): rechtwinklig verwobene Faserbündel. Hohe Festigkeit in zwei Richtungen, gut handhabbar – aber die Welligkeit an den Kreuzungspunkten kostet Festigkeit.
  • Gelege (Non-Crimp Fabric): gestreckte, übereinandergelegte und vernähte Faserlagen ohne Welligkeit. Höchste Festigkeitsausnutzung und höchster Faseranteil – die Wahl für Infusion und RTM.

Direkter Vergleich

KriteriumCSM (Schnittmatte)Gewebe (Woven)Gelege (NCF)
Faserausrichtungzufällig (isotrop)0°/90° gewebtgestreckt, definierte Winkel
Welligkeit (Ondulation)ja (−5 bis −15 % Festigkeit)keine
Festigkeitniedrighocham höchsten (+10–15 % vs. Gewebe)
Faservolumengehalt15–25 %30–45 %50–65 %
Drapierbarkeitsehr gutmittel (je nach Bindung)mittel
Bevorzugtes VerfahrenHandlaminatHandlaminatInfusion, RTM
Epoxid-tauglichnur Spezial-/Pulverbinderjaja
Typische Richtwerte. Festigkeits- und Drapierwerte sind relativ und hängen von Faser, Flächengewicht und Harz ab.

Schnittmatte (CSM) – günstig und formfreudig

CSM ist preiswert, füllt Unebenheiten und passt sich komplexen Konturen an – ideal als erste Strukturlage und für einfache, nicht hoch belastete Teile. Der Preis dafür: viel Harz, hohes Gewicht, niedrige Festigkeit. Wichtig: Die meisten Schnittmatten haben einen styrollöslichen Binder und funktionieren nur mit Polyester/Vinylester – mit Epoxid bleibt der Binder intakt und die Matte wird nicht benetzt.

Gewebe – der Allrounder von Hand

Gewebe liefert deutlich höhere Festigkeit und Steifigkeit als CSM und lässt sich gut von Hand verarbeiten. Die Bindung steuert die Eigenschaften: Leinwand (Plain) ist stabil, aber steif; Köper (Twill 2/2) ist der beste Kompromiss für den Formenbau (gut drapierbar, formstabil, schöner Look); Atlas/Satin drapiert am besten für stark gewölbte Flächen. Nachteil bleibt die Welligkeit, die einen Teil der Faserfestigkeit verschenkt.

Gelege (NCF) – Höchstleistung für geschlossene Verfahren

Im Gelege liegen die Fasern gerade und werden nur durch dünne Nähfäden fixiert – keine Welligkeit, keine Festigkeitsverluste. Das ergibt die höchste Festigkeitsausnutzung und einen hohen Faseranteil. Weil die offenen Faserbündel sich schnell tränken lassen, sind Gelege die bevorzugte Verstärkung für Vakuuminfusion und RTM. Für reines Handlaminat sind sie weniger gebräuchlich.