Die Faser ist das tragende Skelett jedes Verbundbauteils. Sie bestimmt, wie steif und fest ein Teil wird, wie viel es wiegt und was es kostet. Es gibt nicht die eine beste Faser – nur die passende für den jeweiligen Zweck. Fünf Familien prägen den GFK-Formenbau.

Die fünf Faserfamilien

  • Glasfaser: das Arbeitspferd – günstig, robust, gut verarbeitbar, elektrisch isolierend. E-Glas deckt etwa −60 bis 450 °C ab und ist in den allermeisten GFK-Bauteilen die erste Wahl.
  • Carbonfaser: höchste spezifische Festigkeit und Steifigkeit bei geringem Gewicht – aber deutlich teurer. Erste Wahl, wo jedes Gramm zählt (Luftfahrt, Sport, Hochleistung).
  • Aramid (z. B. Kevlar): extrem zäh und schlagfest, hohe Energieaufnahme – ideal für Schutz, Ballistik und stoßbelastete Teile; schwieriger zu schneiden und zu tränken.
  • Basaltfaser: aus vulkanischem Gestein – oft fester als Glas, sehr breiter Temperaturbereich (rund −200 bis 800 °C) und gute Hitzebeständigkeit, preislich nahe an Glas und damit günstiger als Carbon.
  • Naturfaser (Flachs, Hanf): leicht, dämpfend, nachwachsend und mit guter Ökobilanz – die nachhaltige Alternative für sicht- und halbstrukturelle Teile (eigenes Dossier).

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Vier Größen entscheiden fast immer: spezifische Festigkeit (Festigkeit pro Gewicht), Temperatur- und Medienbeständigkeit, Verarbeitbarkeit und Kosten. Carbon glänzt beim Leichtbau, scheitert aber oft am Budget. Glas ist der robuste Allrounder. Basalt punktet dort, wo Hitze oder Chemie im Spiel sind und Carbon zu teuer wäre. Aramid kommt ins Spiel, wenn Schlagzähigkeit zählt. Und Naturfaser gewinnt, wo Nachhaltigkeit und Optik im Vordergrund stehen.

Hybride: das Beste kombinieren

Selten muss man sich für eine einzige Faser entscheiden. Hybridlaminate mischen Fasertypen gezielt – etwa eine Carbon-Decklage für Steifigkeit über einem zähen Aramid-Kern für Schlagschutz, oder Basalt als hitzefeste Schicht. So lassen sich Schwächen einzelner Fasern ausgleichen und Eigenschaften maßschneidern. Entscheidend bleibt, dass die Faser sauber von Harz durchtränkt und richtig orientiert ist – sonst nützt auch die beste Faser wenig.