Im Faserverbund nehmen die Fasern die Zugkräfte auf. Welche Faser und welches Halbzeug (die textile Verarbeitungsform) man wählt, entscheidet über Festigkeit, Gewicht und Kosten des Bauteils – oft mehr als das Harz.

Drei Glasfaser-Verstärkungen im Vergleich: CSM (Wirrfasermatte) mit regellosen Fasern, Gewebe (zum Beispiel Köper) mit Über-unter-Bindung und Gelege (NCF) mit gestreckten, parallel liegenden Faserbündeln.
Verstärkungstypen im Vergleich: Wirrfasermatte (CSM), Gewebe und gestrecktes Gelege (NCF).KI-generiert

Die Fasertypen im Überblick

FaserStärkeDichteEinsatz / Hinweis
E-Glasgünstig, universell (> 90 % Marktanteil)2,5 g/cm³Standard im GFK-Bau und Formenbau
S-/R-Glasca. 35 % höhere Festigkeit als E-Glas2,5 g/cm³Luftfahrt, Ballistik, Druckbehälter (teuer)
ECR-Glasborfrei, sehr korrosionsfest2,6 g/cm³chemisch beanspruchte Teile, Windkraft
Carbon (CF)höchste Festigkeit & Steifigkeit, leicht1,8 g/cm³Leichtbau; leitet Strom (Korrosion/Blitz beachten)
Aramid (Kevlar®)extrem schlag-/reißfest, sehr leicht1,44 g/cm³Impactschutz; schwach auf Druck, UV-empfindlich
Basaltzwischen E- und S-Glas, chemiefest2,7 g/cm³Nische; ~2× Preis von E-Glas
Naturfaserleicht, nachhaltig1,4–1,5 g/cm³Verkleidungen, nachhaltige Bauteile
Richtwerte. Für den Standard-Formenbau ist E-Glas die richtige Wahl.

Textile Halbzeuge: Matte, Roving, Gewebe, Gelege

  • Schnittmatte (CSM): kurze, wirr verteilte Fasern – richtungsunabhängig, gut für Rundungen, aber niedrigster Faseranteil (15–25 %). Nur für Polyester/Vinylester (Binder löst sich nicht in Epoxid!).
  • Roving: endlose, parallele Faserbündel auf Spule – Grundform für Gewebe, Gelege und Wickelverfahren.
  • Gewebe (Woven Roving): rechtwinklig verwoben. Hohe Festigkeit, aber die Welligkeit (Ondulation) an den Kreuzungspunkten kostet 5–15 % Festigkeit. Köper 2/2 ist der Formenbau-Favorit.
  • Gelege (Non-Crimp Fabric, NCF): gestreckte, vernähte Faserlagen ohne Welligkeit – bis zu 10–15 % höhere Festigkeitsausnutzung; bevorzugt für Infusion und RTM.

Der Faservolumengehalt: die zentrale Qualitätskennzahl

Der Faservolumengehalt (Vf) gibt an, wie viel lasttragende Faser im Querschnitt steckt. Er hängt vor allem vom Verfahren ab – und ist der größte Hebel für ein besseres Laminat.

VerfahrenFaserformFaservolumengehaltQualität
HandlaminatCSM15–25 %Basis
HandlaminatGewebe30–45 %gut
VakuuminfusionGelege/Gewebe50–60 %exzellent
RTMGelege/Preform45–60 %exzellent
Prepreg/AutoklavPrepreg55–65 %höchste
Faservolumengehalt nach Verfahren. Das praktische Optimum liegt bei 55–60 %.

Hilfstextilien für den Vakuumaufbau

Rund um die Verstärkung braucht es bei Vakuumverfahren Hilfstextilien: Oberflächenvlies (verhindert Faserprint), Abreißgewebe (saubere Klebefläche), Lochfolie, Fließhilfe (Harzverteilung bei Infusion), Saugvlies und Vakuumfolie mit Dichtband.