Ondulation bezeichnet die wellige, auf- und ablaufende Lage der Faserbündel in einem Gewebe. In einem Gewebe kreuzen sich Kettfäden (längs) und Schussfäden (quer) abwechselnd über und unter den jeweils anderen Fäden. An jedem dieser Kreuzungspunkte wird ein Faserbündel nach oben oder unten umgelenkt, statt schnurgerade zu liegen. Genau diese Umlenkung nennt man Ondulation. Vereinfacht: Die Fasern laufen wellenförmig statt gestreckt.

Warum ist das wichtig? Eine Faser trägt Last am besten, wenn sie gerade gespannt ist und die Kraft direkt in Faserrichtung aufnimmt. Liegt sie wellig, muss sich das Bündel unter Zug erst ein Stück strecken, und ein Teil der Kraft wirkt schräg statt längs. Die Folge: Steifigkeit und Festigkeit in Faserrichtung sinken. Fachquellen beschreiben deshalb, dass die wellenförmige Garnlage die faserparallele Festigkeit des Gewebes verringert; wie stark, hängt vom Aufbau ab (Richtwert, kein fester Zahlenwert).

An den Kreuzungspunkten entstehen außerdem kleine Hohlräume und harzreiche Zonen, weil die sich kreuzenden Bündel dort nicht dicht aneinander liegen können. Es sammelt sich mehr Harz, was den Faservolumengehalt (Faseranteil im Laminat) senkt und das Bauteil pro Gewicht etwas weniger leistungsfähig macht. Genau hier liegt der Hauptunterschied zu Gelegen: Bei Gelegen werden gestreckte Faserlagen nur durch einen dünnen Nähfaden zusammengehalten, nicht verwoben. Sie haben praktisch keine Ondulation und erreichen daher bei gleichem Material höhere Festigkeitswerte.

Die Stärke der Ondulation hängt von der Webart ab. Bei der Leinwandbindung (jeder Faden kreuzt jeden Gegenfaden abwechselnd) sind die Kreuzungspunkte am dichtesten und die Welligkeit am größten. Köper- und Atlasbindungen überspringen mehrere Fäden, haben weniger Kreuzungen, eine flachere Faserlage und dadurch weniger Ondulation. Auch die Lagendicke spielt mit: Viele dünne Lagen ergeben tendenziell weniger Welligkeit als wenige dicke.

Im Detail

  • Ondulation vs. DrapierbarkeitWeniger Ondulation klingt immer gut, ist aber ein Kompromiss. Die schiebefeste Leinwandbindung mit hoher Welligkeit liegt formstabil, lässt sich aber schlecht über Rundungen legen. Atlasbindungen mit geringer Ondulation drapieren besser, verschieben sich dafür leichter.
  • Gewebe oder Gelege wählenWo maximale Festigkeit pro Gewicht zählt und die Geometrie es zulässt, sind ondulationsarme Gelege im Vorteil. Komplexe Konturen mit engen Radien lassen sich oft nur mit drapierbaren Geweben sauber belegen.