Ein Roving ist ein Strang aus vielen sehr dünnen Endlosfasern (Filamenten), die parallel und ohne Verdrehung zu einem Bündel zusammengefasst sind. Endlosfaser heißt: die einzelne Faser läuft ununterbrochen über die gesamte Spulenlänge. Am häufigsten bestehen Rovings aus Glas, daneben aus Carbon (Kohlenstoff) oder Aramid. Der Roving ist die Grundform fast aller textilen Verstärkungen: aus ihm werden Gewebe gewebt, Gelege gelegt oder er wird direkt verarbeitet.

Die Feinheit eines Rovings gibt man in tex an – das ist das Gewicht in Gramm pro 1000 Meter. Glasrovings reichen je nach Produkt etwa von 300 bis 4800 tex, beim Wickeln auch höher (Richtwerte, immer im Datenblatt prüfen). Bei Carbon spricht man eher in K-Werten: 1K bis 24K bedeutet 1000 bis 24000 Filamente pro Bündel, günstigere Heavy Tows haben 50K oder mehr. Je höher tex bzw. K, desto dicker und schwerer der Strang.

Man unterscheidet zwei Bauarten. Beim Direktroving werden die Filamente direkt beim Ziehen zum endgültigen Strang gebündelt – alle Fäden haben die gleiche Spannung, das Bündel bleibt sauber zusammen. Direktrovings sind daher erste Wahl zum Weben, Flechten, Legen, Wickeln und für die Pultrusion (kontinuierliches Profilziehen). Beim assemblierten Roving werden mehrere fertige Stränge nur lose zusammengefasst; bei der Verarbeitung fächert er sofort in die Einzelstränge auf. Das ist gewollt beim Faserspritzen und für Schnittglas.

Eine kleine, aber wichtige Rolle spielt die Schlichte (engl. sizing): eine dünne Beschichtung auf den Filamenten. Sie hält das Bündel zusammen, schützt beim Verarbeiten und sorgt dafür, dass das spätere Harz gut an die Faser anbindet. Eine zum Harzsystem passende Schlichte ist Voraussetzung für ein festes Laminat – also für einen guten Faser-Matrix-Verbund.

Im Detail

  • tex und K-Werttex = Gramm pro 1000 m, gebräuchlich bei Glas und Aramid. Bei Carbon zählt man die Filamente in K (Tausend): 12K entspricht rund 800 tex, 24K rund 1600 tex (Richtwerte je nach Produkt).
  • Sprühroving vs. LaminierrovingSprührovings zerfallen nach dem Schneiden absichtlich in Einzelstränge (Faserspritzen). Laminier- und Wickelrovings sind feiner und haben besseren Zusammenhalt – sie behalten ihre Bündelstruktur.
  • Vom Roving zum HalbzeugAus Rovings entstehen Gewebe (gewebt), Gelege und Multiaxialgelege (parallel gelegt, vernäht) sowie – geschnitten und gebunden – die CSM-Matte. So bestimmt der Roving die Eigenschaften des fertigen Textils mit.