Das Faserspritzen (englisch Spray-up) ist ein offenes Verfahren für die rasche Fertigung großer, einfach geformter Bauteile. Eine sogenannte Chopper Gun – eine Faserschneid-Spritzpistole – schneidet Endlosglasfaser (Roving) in kurze Stücke und sprüht sie gemeinsam mit dem bereits beschleunigten Harz auf die Form. Anschließend wird die aufgespritzte Schicht von Hand mit der Entlüftungsrolle verdichtet.
So läuft es ab
- Form vorbereiten: reinigen, einwachsen, Gelcoat auftragen und angelieren lassen.
- Aufspritzen: Faser und Harz in gleichmäßiger Schichtdicke auftragen.
- Entlüften: jede Schicht gründlich abrollen, damit keine Luft eingeschlossen bleibt.
- Aufbauen: Schicht für Schicht bis zur Zielwandstärke, dann aushärten lassen.
Stärken und Schwächen
- Schnell und günstig: hohe Flächenleistung bei niedrigen Werkzeugkosten (einseitige Form).
- Formfreudig: bewältigt große und komplexe Konturen ohne Zuschnitt von Matten.
- Aber: nur kurze, wirr verteilte Fasern → niedriger Faseranteil und geringere Festigkeit als gerichtetes Laminat.
- Stark vom Können der bedienenden Person abhängig – Wandstärke und Qualität schwanken leicht.
- Hohe Styrol-Emission, weil offen gearbeitet wird.
Emissionen ernst nehmen
Weil Harz fein zerstäubt und offen verarbeitet wird, entstehen beim Faserspritzen viel Styroldampf und Aerosole. Eine wirksame Absaugung (Lüftungstechnik), persönliche Schutzausrüstung und emissionsarme Harze sind hier nicht optional, sondern Arbeitsschutz. Geschlossene Verfahren wie die Vakuuminfusion senken die Emission drastisch – ein wichtiges Argument, wo Qualität und Arbeitsschutz im Vordergrund stehen.
Wann Faserspritzen sinnvoll ist
Das Verfahren spielt seine Stärken bei großen, nicht hoch belasteten Bauteilen in Klein- bis Mittelserie aus: Wannen, Abdeckungen, Verkleidungen, einfache Behälter. Wo es auf hohe Festigkeit, geringes Gewicht oder reproduzierbare Werte ankommt, sind Handlaminat mit gerichtetem Gewebe oder geschlossene Verfahren die bessere Wahl.