Styrol ist eine farblose, stark riechende Flüssigkeit, die in fast jedem Polyesterharz (UP-Harz) und Vinylesterharz steckt. Es erfüllt zwei Aufgaben gleichzeitig: Erstens löst und verdünnt es das zähe Grundharz, damit es überhaupt pinsel- oder spritzbar wird. Zweitens ist es ein sogenannter Reaktivverdünner – es bleibt also nicht passiv im Laminat, sondern reagiert beim Härten chemisch mit und wird fester Bestandteil des Kunststoffs. Typisch sind je nach Produkt und Datenblatt rund 30 bis 50 Gewichtsprozent Styrol im Harz.
Beim Aushärten passiert Folgendes: Der Härter (bei Polyester ein Peroxid wie MEKP) startet zusammen mit dem Beschleuniger eine radikalische Kettenreaktion. Die Styrol-Moleküle verknüpfen dabei die langen Harzketten an deren Doppelbindungen quer miteinander – man spricht von Vernetzung. Aus der zähen Flüssigkeit wird so ein harter, unlöslicher Duroplast. Ohne Styrol (oder einen ähnlichen Reaktivverdünner) würde das Harz weder richtig fließen noch durchhärten. Wichtig für die Sicherheit: Peroxid und Beschleuniger dürfen nie direkt miteinander gemischt werden – sie reagieren heftig bis explosionsartig. Immer erst den Beschleuniger ins Harz einrühren, dann getrennt das Peroxid.
Der starke, süßlich-stechende Geruch im Laminierbereich kommt fast immer vom Styrol. Es ist leicht flüchtig, verdunstet also schon bei Raumtemperatur und vor allem während der Härtung. Diese Dämpfe sind das eigentliche Gesundheitsproblem: Styrol reizt Augen, Atemwege und Haut, kann Kopfschmerzen und Schwindel verursachen und gilt als reproduktionstoxisch (fortpflanzungsgefährdend) sowie als verdächtig, krebserzeugend zu sein. In Deutschland liegt der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) bei rund 20 ml/m3 (etwa 86 mg/m3, je nach aktueller TRGS 900). Riechbar ist Styrol schon weit unterhalb dieses Werts. Dass man es riecht, heißt also noch nicht, dass die Luft gefährlich belastet ist – umgekehrt sollte starker Geruch aber immer ein Warnsignal für schlechte Belüftung sein.
Im Detail
- Reaktivverdünner, kein bloßes LösungsmittelAnders als ein normales Lösungsmittel verdunstet Styrol nicht vollständig, sondern baut sich beim Härten ins Polymer ein. Genau deshalb darf man Polyesterharz nur sparsam und nach Datenblatt mit Styrol verdünnen – zu viel stört das Mischungsverhältnis und schwächt das Laminat.
- Styrolverdunstung an der OberflächeAn der offenen Laminatoberfläche kann zu viel Styrol verdunsten, bevor sie durchhärtet. Folge sind klebrige Oberflächen. Paraffinhaltige Harze (Topcoat) oder eine Folienabdeckung bremsen die Verdunstung und sorgen für eine durchgehärtete Oberfläche.
- Belüftung und SchutzPflicht sind eine wirksame Absaugung bzw. gute Querlüftung, geeignete Schutzhandschuhe (Styrol greift viele Handschuhmaterialien an) und bei länger andauernder oder hoher Belastung Atemschutz mit Gasfilter Typ A. Reste, Aceton und styrolhaltige Lappen sind als Gefahrstoff zu entsorgen.
Mehr dazu: Arbeitsschutz im GFK-Formenbau: Styrol, Stäube und Hautschutz