Lufteinschlüsse gehören zu den häufigsten und zugleich folgenreichsten Fehlern beim Handlaminat. Beim Tränken („Wet-out“) soll das Harz die Faser vollständig durchdringen und alle Luft aus dem Aufbau verdrängen. Gelingt das nicht, bleiben kleine Gasblasen (Poren) oder größere Lufttaschen zurück – sichtbar als helle, silbrig glänzende Stellen zwischen Gelcoat und erster Lage oder zwischen den Gewebelagen.

Das ist nicht nur ein optischer Mangel. Poren wirken als Kerbstellen und schwächen vor allem die matrixdominierten Eigenschaften, allen voran die interlaminare Scherfestigkeit (ILSS – der Widerstand gegen das Abscheren zwischen den Lagen). Schon wenige Prozent Porengehalt können die Festigkeit spürbar mindern; offene Hohlräume saugen zudem Feuchtigkeit und können später Delamination oder Osmose begünstigen. Für hochwertige Formen und Bauteile gilt daher: konsequent entlüften.

Mögliche Ursachen

  • Unzureichende Entlüftung / falsche RolleDie häufigste Ursache: Das Laminat wird nicht gründlich mit der Entlüftungsrolle (Riffel-/Scheibenroller) verdichtet. Eine verschlissene, verharzte oder zu kleine Rolle drückt die eingeschlossene Luft nicht heraus.
  • Zu hohe HarzviskositätZu kühles oder zähes Harz fließt nicht in die feinen Zwischenräume der Faserbündel und kann die Luft nicht nach oben abführen. Werkstatt und Material so warm wie nötig (Richtwert ca. 18–25 °C, im Zweifel nach Herstellerangabe) halten.
  • Falsche Tränk- und AuflegetechnikZu schnelles Arbeiten, trockenes Auflegen oder das Spannen des Gewebes über Kanten und Ecken erzeugt Lufttaschen. Gewebe von der Mitte nach außen tupfend („stippen“) benetzen und anlegen, nicht über Radien spannen.
  • Luft schon im angemischten HarzHektisches Rühren schlägt Luftblasen ein, die sich später als Poren im Laminat wiederfinden. Langsam mischen und das Harz kurz ruhen lassen, damit Blasen aufsteigen – jedoch innerhalb der Topfzeit bleiben.
  • Ausgasen des UntergrundsPoröse Kerne (Holz, Schaum) können beim Erwärmen durch die Exotherme ausgasen und Blasen ins frische Laminat drücken. Solche Flächen vorab mit einer dünnen Sperr-/Harzschicht versiegeln.

So behebst du es

  1. Aushärtung abwarten, dann die Blase mit Cuttermesser oder Schleifer (z. B. Dremel) öffnen und vollständig freilegen, bis tragfähiger, getränkter Grund erreicht ist.
  2. Bereich mit grobem Korn (z. B. 80er) aufrauen, Staub entfernen und mit Aceton entfetten.
  3. Kleine Poren mit eingedicktem Harz (Baumwollflocken/Microballons) füllen und fest einstreichen; bei größeren Lufttaschen den freigelegten Bereich neu belegen.
  4. Bei tiefen oder flächigen Einschlüssen den schadhaften Abschnitt anschäften (scarfen) und Lage für Lage neu laminieren – das stellt die Tragfähigkeit am zuverlässigsten wieder her.
  5. Nach dem Aushärten mit feiner werdenden Körnungen (z. B. 120, 220 und feiner) verschleifen und die Oberfläche wiederherstellen.

So beugst du vor

  • Jede Lage einzeln tränken und mit dem Riffelroller von der Mitte nach außen in überlappenden Bahnen gründlich ausrollen – nicht zu viele Lagen auf einmal.
  • Geeignete, saubere Entlüftungsrolle in passender Breite verwenden; Rollen nach dem Einsatz reinigen und verschlissene ersetzen.
  • Bei rund 18–25 °C arbeiten (Herstellerangabe beachten), damit das Harz dünnflüssig genug ist und die Luft entweichen kann.
  • Harz langsam, blasenarm anrühren und kurz ruhen lassen; bei höchsten Ansprüchen das Harz vor dem Einsatz in einer Vakuumkammer (Vakuumtopf) entgasen.
  • Gewebe an Kanten und Radien sorgfältig anlegen, nicht spannen; poröse Untergründe vorab versiegeln.
  • Für porenarme Bauteile auf vakuumunterstützte Verfahren ausweichen – Vakuumsack oder Infusion ziehen Luft und Überschussharz zuverlässig heraus.

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