Die Vakuuminfusion (auch VARTM, Vacuum Assisted Resin Transfer Moulding) ist ein geschlossenes Verfahren: Die trockenen Verstärkungslagen werden in eine einseitige Form gelegt, mit einer Vakuumfolie luftdicht abgedeckt und unter Vakuum gesetzt. Der Unterdruck presst die Lagen zusammen und saugt anschließend das Harz durch das gesamte Laminat. Erst wenn alles getränkt ist, härtet das Bauteil aus.

Warum Infusion? Der Qualitätssprung
Der wichtigste Hebel für ein besseres Laminat ist nicht die teurere Faser, sondern das bessere Verfahren. Der Umstieg vom Handlaminat auf die Infusion hebt den Faservolumengehalt von rund 25 % auf 50–60 % – das bedeutet fast die doppelte Festigkeit bei gleichem Material, bei deutlich geringerer Porosität.
| Merkmal | Handlaminat | Vakuuminfusion |
|---|---|---|
| Faservolumengehalt | ca. 25–35 % | ca. 50–60 % |
| Porosität | 3–5 % | unter 1 % |
| Styrol-Emission | hoch (offen) | gering (geschlossen) |
| Reproduzierbarkeit | personenabhängig | hoch |
| Investition | sehr gering | gering (~500–2.000 €) |
Der Vakuumaufbau – von der Form nach außen
Der Schichtaufbau über dem Bauteil entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Von der Formoberfläche nach außen:
- (Gelcoat und) trockene Verstärkungslagen – meist Gelege, weil sie sich schnell tränken lassen.
- Abreißgewebe (Peel Ply): hinterlässt eine saubere, weiterverarbeitbare Oberfläche.
- Lochfolie: lässt überschüssiges Harz dosiert durch.
- Fließhilfe (Flow Medium): ein grobes Netz, das das Harz schnell über die Fläche verteilt.
- Anschlüsse: Harzzuleitung (Anguss) und Vakuumabsaugung mit vorgeschalteter Harzfalle.
- Vakuumfolie, rundum mit Dichtband am Flansch abgedichtet.
Der Ablauf Schritt für Schritt
- Form vorbereiten und eintrennen, trockene Lagen exakt zuschneiden und einlegen.
- Hilfstextilien, Anguss und Absaugung positionieren, Vakuumfolie auflegen und sorgfältig abdichten.
- Vakuum ziehen und den Aufbau auf Dichtigkeit prüfen (Drop-Test: Pumpe schließen, Druckabfall beobachten).
- Niedrigviskoses Harz mit langer Topfzeit anmischen.
- Harz öffnen und die Fließfront durch das Laminat wandern lassen, bis alles getränkt ist.
- Anguss abklemmen, unter Vakuum aushärten lassen, dann entformen.
Typische Probleme
- Leckage: das Vakuum hält nicht – Dichtband und Folie (besonders an Falten und Anschlüssen) prüfen. Ohne dichten Aufbau keine Infusion.
- Trockenstellen (Dry Spots): Bereiche, die das Harz nicht erreicht hat – Angussführung und Fließhilfe anpassen.
- Race-Tracking: das Harz läuft bevorzugt an Kanten vorbei, statt die Fläche zu tränken – Angüsse und Sperren umplanen.