Handlaminat, Vakuuminfusion oder RTM? Die Verfahren im Vergleich
Dasselbe Material, drei Wege – mit sehr unterschiedlichem Ergebnis: Das Fertigungsverfahren ist der größte Hebel für Qualität, Gewicht und Kosten eines Faserverbund-Bauteils. Dieser Vergleich stellt Handlaminat, Vakuuminfusion und RTM gegenüber und zeigt mit Tabelle und Entscheidungshilfe, wann welches Verfahren das richtige ist.
Faser und Harz allein machen noch kein gutes Bauteil – entscheidend ist, wie beide zusammenkommen. Der Umstieg vom Handlaminat auf ein geschlossenes Verfahren verdoppelt bei gleichem Material nahezu die Festigkeit, weil deutlich mehr Faser pro Querschnitt unterkommt. Gleichzeitig steigen Werkzeugaufwand und Investition. Die drei verbreitetsten Wege im Direktvergleich:
Direkter Vergleich
Kriterium
Handlaminat
Vakuuminfusion
RTM
Faservolumengehalt
25–35 %
50–60 %
45–60 %
Porosität / Qualität
3–5 % / Basis
< 1 % / exzellent
< 0,5 % / exzellent
Glatte Oberflächen
eine Seite
eine Seite
beide Seiten
Werkzeug
einseitig, einfach
einseitig + Vakuumsack
zweiteilig, druckfest
Investition
sehr gering
gering (~500–2.000 €)
hoch
Styrol-Emission
hoch (offen)
gering (geschlossen)
gering (geschlossen)
Stückzahl (sinnvoll)
Einzel–Klein
Klein–Mittel
Mittel–Groß
Typische Richtwerte. Konkrete Werte sind material-, bauteil- und prozessabhängig.
Handlaminat – flexibel und günstig
Das offene Handlaminieren braucht nur Handwerkzeug und eine einseitige Form. Es ist unschlagbar flexibel für Einzelstücke, Prototypen, Reparaturen und große Bauteile – und der Einstieg in den GFK-Bau. Der Preis: höherer Harzanteil (schwerer), mehr Lufteinschlüsse, offene Styrol-Emission und starke Abhängigkeit vom Können der ausführenden Person.
Vakuuminfusion – der Qualitätssprung mit kleinem Budget
Bei der Infusion zieht Vakuum das Harz durch die trockenen Fasern. Das hebt den Faseranteil auf 50–60 %, senkt die Porosität unter 1 % und reduziert die Emission drastisch – bei überschaubarer Investition (Pumpe, Folie, Verbrauchsmaterial). Die beste Investition für alle, die hochwertige, leichte und reproduzierbare Teile in kleiner bis mittlerer Serie brauchen. Die Oberfläche ist allerdings, wie beim Handlaminat, nur auf der Formseite glatt.
RTM – Serienqualität, beidseitig glatt
RTM spritzt das Harz unter Druck in eine geschlossene, zweiteilige Form. Das liefert beidseitig glatte, maßhaltige Bauteile mit hohem Faseranteil und kurzen, wiederholbaren Taktzeiten. Der Haken sind die teuren, präzisen Werkzeuge – RTM rechnet sich erst ab mittleren bis hohen Stückzahlen. Light-RTM senkt mit niedrigem Druck und leichteren Formen die Einstiegshürde.
Wann was? Entscheidungshilfe
Einzelstück, Prototyp, Reparatur, sehr großes Teil: Handlaminat.
Hochwertige, leichte Teile in kleiner bis mittlerer Serie, begrenztes Budget: Vakuuminfusion.
Mittlere bis große Serie, beidseitig glatte Sichtteile, enge Toleranzen: RTM (oder Light-RTM als Einstieg).
Maximale Strukturqualität (Luftfahrt, Motorsport): Prepreg/Autoklav – jenseits dieser drei Verfahren.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Handlaminat, Vakuuminfusion und RTM?
Handlaminat ist offen, einseitig und günstig, erreicht aber nur 25–35 % Faseranteil. Die Vakuuminfusion zieht Harz durch trockene Fasern und hebt den Faseranteil auf 50–60 %. RTM spritzt Harz unter Druck in eine geschlossene, zweiteilige Form und liefert beidseitig glatte Serienteile.
Wann nimmt man Vakuuminfusion statt Handlaminat?
Die Vakuuminfusion lohnt sich, wenn man hochwertige, leichte und reproduzierbare Teile in kleiner bis mittlerer Serie braucht. Sie hebt den Faseranteil auf 50–60 %, senkt die Porosität unter 1 % und reduziert die Styrol-Emission deutlich – bei überschaubarem Mehraufwand.
Ist RTM oder Vakuuminfusion besser für beidseitig glatte Sichtteile?
Für beidseitig glatte Sichtteile ist RTM besser geeignet, denn nur die geschlossene, zweiteilige Form liefert auf beiden Seiten eine glatte Oberfläche. Bei Vakuuminfusion und Handlaminat ist nur die Formseite glatt. RTM rechnet sich aber erst ab mittleren bis großen Stückzahlen.
Welches Verfahren ist am günstigsten für Einzelstücke und Reparaturen?
Für Einzelstücke, Prototypen, Reparaturen und sehr große Teile ist das Handlaminat die richtige Wahl. Es braucht nur Handwerkzeug und eine einseitige Form und ist sehr flexibel. Der Preis dafür sind ein höherer Harzanteil, mehr Lufteinschlüsse und offene Styrol-Emission.
Wie viel kostet der Einstieg in die Vakuuminfusion?
Der Einstieg in die Vakuuminfusion ist mit rund 500–2.000 Euro für Pumpe, Folie und Verbrauchsmaterial überschaubar. Der Wechsel vom Handlaminat zur Vakuuminfusion ist fast immer der größte Qualitätssprung pro investiertem Euro.