Die Fließhilfe (englisch flow medium oder infusion mesh) ist ein grobmaschiges Netz, das beim Infusionsverfahren über das trockene Laminat gelegt wird. Sie ist ein Hilfs- und Verbrauchsmaterial: Sie bleibt nicht im Bauteil, sondern wird nach dem Aushärten zusammen mit dem restlichen Vakuumaufbau wieder entfernt.
Hintergrund: Bei der Vakuuminfusion (auch VARI oder VARTM genannt) saugt ein Vakuum flüssiges Harz in das trockene Fasergelege. Dichte Faserlagen setzen dem Harz aber einen hohen Strömungswiderstand entgegen. Allein durch die Fasern würde sich das Harz nur langsam und über kurze Strecken bewegen – es bestünde die Gefahr, dass das Harz geliert (härtet), bevor die Fläche komplett getränkt ist. Die offene, grobe Struktur der Fließhilfe bietet dem Harz dagegen einen Weg mit sehr geringem Widerstand.
So funktioniert es: Das Harz läuft zuerst zügig durch das Netz über die gesamte Oberfläche und sickert von dort gleichmäßig nach unten in die Fasern. Die Fließhilfe verkürzt damit die Fließwege und die Füllzeit deutlich und sorgt für eine gleichmäßigere Tränkung. Sie hilft zusätzlich beim Entlüften, weshalb sie auch als Entlüftungsnetz bezeichnet wird. Wichtig ist eine vollständige, fehlerfreie Tränkung, denn trockene, harzarme Stellen (Dry Spots) schwächen das Bauteil.
Typische Daten (Richtwerte, je nach Produkt und Datenblatt): steife extrudierte Netze bestehen meist aus HDPE (Polyethylen hoher Dichte), weiche gestrickte Varianten oft aus Polypropylen. Flächengewichte liegen etwa bei 100 bis 250 g/m², Bahnbreiten um 1,0 bis 1,5 m, die maximale Anwendungstemperatur grob bei 100 bis 110 °C bei einfachen Netzen. Hochtemperatur-Tooling braucht entsprechend höher temperierbare Medien. Steife Netze sind günstig für flache Flächen, weiche gestrickte legen sich besser an Rundungen an.
Im Detail
- Position im LagenaufbauÜblich von der Form nach außen: Laminat, dann Abreißgewebe (Peel Ply), dann eine gelochte Trennfolie, darüber die Fließhilfe und ganz außen der Vakuumsack. Die gelochte Folie ist wichtig, damit sich das Netz nach dem Aushärten leicht vom Bauteil löst – besonders weiche Strickmedien verkleben sonst mit dem Abreißgewebe.
- Steif oder weich wählenFlache Bauteile: ein einfaches, steifes extrudiertes Netz reicht. Stark gewölbte oder komplexe Geometrien: eine weiche, gut drapierbare (anpassungsfähige) Strick-Fließhilfe, die sich faltenfrei anlegt und keine Brücken bildet.
- Kombi-Medien und RandzonenEs gibt Mehrschicht-Produkte, die Fließhilfe und Abreißgewebe oder Trennfolie kombinieren – das spart Lagen und beschleunigt den Aufbau. Oft lässt man die Fließhilfe einige Zentimeter vor der Absaugleitung enden (Flow-Restriction-Randzone), damit das Harz die Fasern sicher durchtränkt und nicht ungenutzt abgesaugt wird.