Die Vakuuminfusion (kurz: Infusion, international auch VARTM oder VARI) ist ein geschlossenes Verfahren zur Herstellung von Faserverbundbauteilen. Anders als beim Handlaminieren, wo das Harz mit Pinsel und Rolle auf jede Lage aufgetragen wird, kommen hier zuerst alle trockenen Faserlagen in die Form. Sie werden mit einer Folie luftdicht abgedeckt und evakuiert; erst danach wird der Harzzulauf geöffnet, und das Harz wandert als Fließfront durch das gesamte Fasergerüst, bis dieses vollständig getränkt ist.
Entscheidend für das Verständnis ist, was das Vakuum dabei leistet: Die Pumpe zieht nicht am Harz, sondern entfernt nur Gas aus dem Aufbau. Getrieben wird das Harz vom Luftdruck, der von außen auf die Folie drückt – die nutzbare Druckdifferenz ist damit auf rund 1 bar begrenzt.
Der Vorteil ist ein hoher Faservolumengehalt von typisch rund 50 bis 60 Prozent bei sehr niedrigem Porengehalt, weil die Luft vor und während des Tränkens abgesaugt wird. Weil das Harz zudem in einem geschlossenen System fließt, gelangen deutlich weniger Lösemitteldämpfe in die Werkstattluft als beim offenen Laminieren – bei styrolhaltigen Polyester- und Vinylesterharzen ein spürbarer Vorteil für den Arbeitsschutz, der gute Belüftung aber nicht ersetzt. Prozessfenster, Schichtaufbau, Dichtheitsprüfung und die typischen Fehlerbilder behandelt der Leitartikel zur Vakuuminfusion ausführlich.
Im Detail
- Oberflächen und GelcoatDie Formseite wird glatt und maßgenau, die Folienseite bleibt strukturiert – sie trägt den Abdruck von Fließhilfe und Lochfolie. Für eine schöne Sichtseite wird vorab oft ein Gelcoat in die Form gelegt; die Folienseite ist dann die Rückseite des Bauteils.
- Abgrenzung zum VakuumpressenBeim Vakuumpressen (oft ebenfalls „Vacuum Bagging“ genannt) wird nass laminiert und der Aufbau anschließend nur verdichtet und entlüftet – das Harz ist bereits im Laminat. Bei der Infusion liegt das Laminat trocken in der Form. Der Unterschied ist praktisch relevant: Beim Pressen ist ein kleines Leck unkritisch, bei der Infusion nicht.
- Verwandt mit RTM und Light-RTMDie Infusion gehört zur Familie der Liquid-Composite-Molding-Verfahren. Beim RTM wird das Harz zwischen zwei feste Formhälften gepresst, bei der Infusion ersetzt eine flexible Folie die zweite Formhälfte. Das macht den Werkzeugbau deutlich günstiger, die Folienseite aber weniger maßgenau.
Mehr dazu: Leitartikel: Vakuuminfusion von A bis Z · Handlaminat, Vakuuminfusion oder RTM? Die Verfahren im Vergleich