Eine Negativform (auch weibliche Form genannt) ist das Werkzeug, in das hinein laminiert wird. Sie ist hohl, und ihre Innenfläche ist das genaue Gegenstück zur Außenseite des späteren Bauteils. Was beim Laminieren die Form berührt, wird am fertigen Teil die sichtbare, glatte Außenseite. Daraus folgt die wichtigste Regel: So gut wie die Forminnenfläche ist, so gut wird die Bauteiloberfläche. Das Gegenstück ist die Positivform, bei der außen herum laminiert wird und die Innenseite glatt wird.

Die Negativform entsteht meist durch Abformen von einem Urmodell. Das Urmodell ist ein maßgenaues Abbild des späteren Teils mit perfekter Oberfläche. Man trägt darauf zuerst ein Trennmittel auf (damit sich Form und Modell später sauber lösen), dann eine erste, dickere Oberflächenschicht aus Formenharz oder Tooling-Gelcoat (einem Spezial-Gelcoat für Werkzeuge). Darauf folgt das Stützlaminat aus Glasfasern und Harz, das der Form Stabilität gibt. Nach dem Aushärten löst man die fertige Negativform vom Urmodell ab.

Für eine fehlerfreie Bauteiloberfläche kommt es auf den Schichtaufbau an. Die Oberflächenschicht aus Tooling-Gelcoat oder Formenharz wird typischerweise in etwa 0,5 bis 1 mm Dicke aufgetragen (Richtwert, genaue Vorgabe je nach Produkt und Datenblatt) und muss blasenfrei sein. Zwischen Deckschicht und Stützlaminat liegt oft eine Kopplungsschicht: In das noch klebrige Formenharz streut man Glasfaserschnitzel ein, die wie kleine Anker eine feste Verbindung zur folgenden Laminatlage schaffen und einem Ablösen der Schichten (Delamination) vorbeugen.

Ein zentrales Thema ist der Verzug. Härten dicke Laminate zu schnell und einseitig aus, verzieht sich die Form und das Bauteil passt später nicht. Deshalb baut man das Stützlaminat schrittweise und möglichst gleichmäßig auf, lässt Zwischenstufen anhärten und vermeidet große Wärmestaus durch die Reaktionswärme (exotherme Reaktion). Vor dem Entformen wird die Form oft nachgehärtet (getempert), damit sie maßhaltig und temperaturstabil bleibt. Bei Polyester-Formenharz arbeitet man mit Härter wie MEKP: Härter und Beschleuniger nie direkt zusammengeben, sondern getrennt einrühren, und wegen Styrol für gute Belüftung sowie Haut- und Augenschutz sorgen.

Im Detail

  • Geteilte Formen bei HinterschnittenHat ein Bauteil Hinterschnitte, lässt es sich nicht aus einer einteiligen Form ziehen. Dann baut man die Negativform mehrteilig mit Formflanschen und Passstiften, sodass die Hälften exakt zusammenpassen und sich das Teil zerstörungsfrei entformen lässt.
  • Oberflächengüte und GlanzDie Forminnenfläche wird auf Hochglanz poliert und sorgfältig mit Trennmittel präpariert. Jeder Kratzer und jede Pore bildet sich am Bauteil ab, deshalb entscheidet die Pflege der Forminnenseite maßgeblich über das spätere Ergebnis.
  • Werkzeug für viele AbformungenEine gut gebaute Negativform ist ein Mehrweg-Werkzeug. Mit ihr lassen sich viele identische Bauteile herstellen, sofern das Trennmittel korrekt erneuert und die Oberfläche geschont wird. Das macht den Aufwand für Urmodell und Form bei Serien wirtschaftlich.

Mehr dazu: GFK-Negativform abformen: Schritt-für-Schritt-Anleitung vom Urmodell zur Form