Ein Dry Spot, auf Deutsch Trockenstelle, ist ein Bereich im Laminat (dem fertigen Faser-Harz-Verbund), der nicht oder nur teilweise mit Harz getränkt wurde. Die Verstärkungsfasern (Glas, Carbon oder Aramid) bleiben dort trocken. Statt eines festen Verbunds findet man eine helle, oft weißlich-stumpfe Stelle, die sich häufig ertasten oder im Gegenlicht erkennen lässt.
Trockenstellen treten vor allem bei den geschlossenen Tränkverfahren auf: bei der Vakuuminfusion (das Harz wird durch Unterdruck in trockene Fasern gesaugt) und beim RTM, Resin Transfer Moulding (das Harz wird unter Druck in eine geschlossene Form injiziert). Der Grund: Bei diesen Verfahren fließt das Harz verborgen durch das Faserpaket, man sieht es beim Verarbeiten nicht wie beim Handlaminieren. Wird dabei Luft eingeschlossen, die nicht zu einer Absaugung entweichen kann, oder erreicht das Harz eine Ecke gar nicht, bleibt diese Stelle trocken.
Das Problem ist nicht kosmetisch, sondern strukturell. Im GFK verbindet das Harz die Fasern, überträgt Kräfte und schützt die Fasern vor Feuchtigkeit. Eine trockene Stelle ist deshalb eine Schwachstelle: Dort kann das Laminat brechen, sich ablösen (Delamination) oder Wasser ziehen. Bei tragenden Teilen ist ein Dry Spot in der Regel ein Ausschussgrund.
Typische Ursachen sind eine ungeschickte Lage von Anguss und Absaugung (so wird Luft eingeschlossen), eine zu hohe Harzviskosität (das Harz ist zu zäh und kriecht schlecht durch die Fasern), eine zu kurze Gelzeit (das Harz härtet, bevor es überall angekommen ist), schlecht geplante Fließstrecken sowie Vakuumlecks. Auch verschmutzte oder mit zu viel Schlichte belegte Fasern können das Tränken örtlich stören.
Im Detail
- Warum gerade bei Infusion und RTMBei geschlossenen Verfahren fließt das Harz unsichtbar durch das Faserpaket. Luft, die nicht zu einer Absaugung entweichen kann, bildet ungetränkte Inseln. Beim Handlaminieren ist das selten, weil dort jede Lage von Hand entlüftet und sichtbar getränkt wird.
- Die Rolle der FließhilfeEine Fließhilfe (ein grobes Verteilernetz auf dem Laminat) verteilt das Harz schneller in der Fläche. Richtig platziert beugt sie Trockenstellen vor; endet sie aber abrupt oder fehlt an Ecken und Rippen, kann das Harz dort schwer hinkommen.
- Erkennen und BeurteilenTrockenstellen zeigen sich als helle, glanzlose Flecken, oft an Bauteilkanten, dicken Stellen oder hinter Rippen. Im Gegenlicht oder durch Klopfen (dumpfer Klang) lassen sie sich aufspüren. Sie zählen zu den Fließfehlern, neben Lunkern und Poren.
- Gegenmaßnahmen in der PraxisHelfen können: ein Harz mit passender, eher niedriger Viskosität, ausreichende Gelzeit-Reserve, eine sinnvolle Lage von Anguss und Absaugung, ein Dichtheitstest des Vakuums vorab, bei Bedarf leichtes Temperieren der Form und ein gedanklicher Probelauf der Fließstrecke.