Trockene Stellen (englisch „dry spots“) sind Bereiche im Laminat, in denen die Verstärkungsfaser nicht vollständig mit Harz getränkt (durchtränkt = „benetzt“) wurde. Sie verraten sich durch ein helles, mattes, fast weißliches Aussehen, weil zwischen den Fasern Luft statt durchscheinendem Harz sitzt. Optisch wirkt das harmlos – mechanisch ist es das nicht: An einer trockenen Stelle trägt das Laminat kaum Last, sie unterbricht den Kraftfluss und wirkt zusätzlich als Docht für eindringende Feuchtigkeit. Damit ist sie eine bevorzugte Schwachstelle für späteres Versagen.

Das Problem tritt sowohl im Handlaminat als auch bei der Vakuuminfusion auf, hat dort aber unterschiedliche Auslöser. Beim Handlaminat geht es meist um zu wenig Harz oder unzureichendes Durchrollen; bei der Infusion um eine Harzfront, die einen Bereich umfließt, statt ihn zu füllen. In beiden Fällen gilt: Vorbeugen ist deutlich einfacher als eine saubere Reparatur.

Mögliche Ursachen

  • Zu wenig Harz angesetztDie Harzmenge reicht nicht aus, um das Flächengewicht der Lage vollständig zu tränken. Besonders saugfähige Gewebe und Glasmatten (CSM = Wirrfasermatte) brauchen mehr Harz als gedacht – wird zu knapp kalkuliert, bleibt der letzte Bereich trocken.
  • Harz geliert vor dem DurchtränkenEin zu großer Ansatz in einem Becher, zu viel Härter oder zu warme Verarbeitung verkürzen die Topfzeit. Das Harz beginnt zu gelieren, bevor es die Faser vollständig durchdrungen hat – die Tränkung „friert ein“. Die genaue Topfzeit hängt vom System ab; das technische Datenblatt gibt sie vor.
  • Unzureichendes Durchrollen / KonsolidierenWird die Lage nicht gründlich mit der Entlüftungsrolle (Riffel-/Metallroller) bearbeitet, bleibt Luft zwischen den Fasern und zur Vorlage eingeschlossen. Dieses Luftpolster verhindert, dass das Harz die Stelle benetzt.
  • Materialunverträglichkeit / falsche ReihenfolgeEmulsionsgebundene CSM, deren Bindemittel sich nur in Styrol löst, lässt sich mit styrolfreiem Epoxidharz schlecht durchtränken (für Epoxid eignen sich pulvergebundene Matten besser). Wird trockenes Gewebe auf bereits angezogenes Harz gelegt, statt erst zu benetzen, schließt sich zudem leicht Luft ein.
  • Vakuuminfusion: Race-Tracking & VakuumverlustBei der Infusion fließt das Harz an Rändern oder Kanälen schneller (Race-Tracking) und umschließt einen Bereich, statt ihn zu füllen – es entsteht ein eingeschlossener Dry Spot, besonders nahe der Absaugung. Auch ein Leck in der Vakuumfolie oder zu früh gelierendes Harz lässt Zonen leer.

So behebst du es

  1. Trockene Stelle eindeutig abgrenzen – im Streiflicht den nicht getränkten Bereich erkennen und seine Ränder markieren.
  2. Bereich anschleifen (Richtwert Körnung 80–120), lose Fasern entfernen und gründlich entfetten (z. B. mit Aceton); bei Epoxid einen eventuellen Amin-Blush vorher abwaschen.
  3. Bei oberflächennaher, kleiner Trockenstelle frisches, dünnflüssiges Harz satt einarbeiten und mit Rolle/Spachtel in die Faser drücken, bis sie durchscheinend benetzt ist.
  4. Bei tieferliegenden oder größeren Stellen den betroffenen Aufbau heraustrennen, die Ränder flach anschäften (keilförmig anschleifen) und Lage für Lage neu laminieren.
  5. Beim Nachlaminieren die Anbindezeit beachten – nass in nass oder auf frisch angeschliffenem, sauberem und trockenem Grund arbeiten, damit keine Delamination entsteht.
  6. Vollständig aushärten lassen, danach verschleifen und – wenn formseitig – die Oberfläche neu aufbauen.

So beugst du vor

  • Harzmenge nach dem Flächengewicht der Lagen berechnen (Laminatrechner nutzen) und etwas Reserve ansetzen.
  • Topfzeit im Blick behalten: bei großen Flächen in Abschnitten arbeiten und das angemischte Harz flach ausgießen statt im Becher stehen zu lassen (im Becher staut sich die Reaktionswärme und die Topfzeit verkürzt sich).
  • Jede Lage erst sattgießen und durchtränken, dann mit der Entlüftungsrolle gründlich konsolidieren, bis sie durchscheinend ist und keine Luft mehr aufsteigt.
  • Beim trockenen Belegen zuerst die Fläche mit Harz benetzen und dann das trockene Gewebe auflegen – so wird weniger Luft eingeschlossen.
  • In einem moderaten, herstellerkonformen Temperaturbereich verarbeiten (üblich rund 18–25 °C): ausreichend niedrige Viskosität sorgt für besseren Harzfluss. Auf ein verträgliches Faser-Harz-System achten (für Epoxid keine rein styrollösliche CSM).
  • Bei Vakuuminfusion Anschnitt, Fließhilfe und Anguss/Absaugung sorgfältig planen, die Folie auf Dichtheit prüfen (Vakuum-Haltetest) und die Fließfront beobachten, um Race-Tracking zu vermeiden.

Mehr dazu: Handlaminat, Vakuuminfusion oder RTM? Die Verfahren im Vergleich · Vakuuminfusion (VARTM) verständlich: so kommt das Harz in die Faser · CSM, Gewebe oder Gelege? Glasfaser-Halbzeuge im Vergleich