Ein gutes Laminat lebt vom richtigen Verhältnis zwischen Faser und Harz. Die Faser trägt die Last, das Harz hält sie zusammen, überträgt Kräfte und schützt sie. Stimmt das Mengenverhältnis nicht, entstehen harzreiche oder harzarme Zonen – Bereiche mit zu viel oder zu wenig Harz. Beide Extreme schwächen das Bauteil, nur auf unterschiedliche Weise.

Beim Handlaminieren lässt sich der Faservolumengehalt (Anteil der Faser am Gesamtvolumen) kaum exakt steuern. Mit Gewebe sind als Richtwert etwa 30–45 Vol.-% erreichbar, mit Schnittmatte nur rund 15–25 %. Die genauen Werte hängen von Faser, Flächengewicht und Harz ab. Schwankungen über das Bauteil hinweg sind normal – entscheidend ist, sie durch saubere Technik klein zu halten. Wer höchste, gleichmäßige Faseranteile braucht, greift zu geschlossenen Verfahren wie Vakuuminfusion oder RTM.

Mögliche Ursachen

  • Ungleichmäßiges TränkenWird eine Lage nicht über die gesamte Fläche gleichmäßig durchtränkt, bleiben harzarme Inseln neben harzreichen Pfützen stehen. Besonders bei schweren Geweben oder kalter, zäher Harzmischung dringt das Harz schlecht durch und sammelt sich an der Oberfläche.
  • Falsche oder fehlende RolltechnikDer Rillen-/Entlüftungsroller hat zwei Aufgaben: Harz in die Faser drücken und überschüssiges Harz mitsamt Luft herausarbeiten. Wird zu wenig oder mit verschlissener Rolle abgerollt, bleibt zu viel Harz stehen; an Kanten und Radien zieht man umgekehrt leicht zu viel heraus und erzeugt dort harzarme Stellen.
  • Harz läuft an senkrechten Flächen abAn steilen Wänden und Überköpfen läuft dünnflüssiges Harz nach unten. Oben entsteht eine harzarme, trockene Zone, unten sammelt sich eine harzreiche Wulst. Geometrie und Schwerkraft arbeiten hier gegen einen gleichmäßigen Aufbau.
  • Verfahren passt nicht zur GeometrieDas offene Handlaminat stößt bei komplexen Formen, vielen Lagen oder hohen Stückzahlen an Grenzen. Ohne Verpressung bleibt der Faseranteil niedrig und schwankt; für gleichmäßige, hohe Faservolumengehalte sind Vakuuminfusion, RTM oder zumindest Nachverpressen mit Abreißgewebe und Vakuumsack die richtige Wahl.

So behebst du es

  1. Bauteil im Streiflicht und durch Abklopfen prüfen, harzreiche (glasige, dicke) und harzarme (weiße, trockene) Zonen markieren.
  2. Harzreiche Stellen mechanisch reduzieren: überschüssige Harzschicht flach anschleifen, bis tragfähiges Laminat erreicht ist – spröde reine Harznester abtragen.
  3. Harzarme/trockene Stellen anschleifen, gründlich entstauben und entfetten, dann mit dünnflüssigem Harz satt nachtränken und sorgfältig durchrollen.
  4. Bei großflächig fehlerhaftem Aufbau den Bereich ausschäften (scarfen) und mit korrektem Faser-Harz-Verhältnis neu belegen.
  5. Reparaturstelle vollständig aushärten lassen, danach final verschleifen und an die Oberfläche anpassen.

So beugst du vor

  • Harz dünnflüssig und warm genug (Werkstatt als Richtwert mind. ~20 °C, Verarbeitungstemperatur laut Datenblatt) verarbeiten, damit es zügig und gleichmäßig durch die Faser zieht.
  • Lage für Lage erst satt tränken, dann mit dem Rillen-/Entlüftungsroller gleichmäßig durchrollen – Luft heraus, überschüssiges Harz heraus.
  • Roller sauber und intakt halten; an Kanten und Radien nicht zu stark abrollen, um dort keine harzarmen Stellen zu erzeugen.
  • An senkrechten und überkopf liegenden Flächen mit thixotrop (standfest) eingestelltem Harz arbeiten und früh genug angelieren lassen, damit nichts abläuft.
  • Abreißgewebe (Peel Ply) auflegen und abrollen: Es nimmt überschüssiges Harz auf, vergleichmäßigt den Faseranteil und hinterlässt eine saubere, anbindefähige Oberfläche.
  • Für hohe und reproduzierbare Faservolumengehalte das Verfahren wechseln: Vakuuminfusion oder RTM statt offenem Handlaminat.

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