Ein Lunker ist ein größerer Hohlraum (Luft- oder Gaseinschluss) im Inneren eines Bauteils. Der Begriff stammt aus dem Metallguss: Dort entsteht ein Lunker, weil das Metall beim Erstarren schrumpft und an dicken Stellen einen Hohlraum zurücklässt (Schwindungslunker). Im GFK-Formenbau wird das Wort breiter benutzt – meist meint man damit größere eingeschlossene Luftblasen im Laminat (dem mit Harz getränkten Faserpaket) oder im Gelcoat (der dünnen, eingefärbten Deckschicht an der Bauteiloberfläche). Da hier keine echte Erstarrungsschrumpfung vorliegt, spricht man fachlich auch von unechten Lunkern – praktisch ist es schlicht ein vermeidbarer Lufteinschluss.

Anders als eine winzige Pore ist ein Lunker mit bloßem Auge erkennbar. An der Oberfläche zeigt er sich oft als Blase, kleiner Krater oder Vertiefung; im Bauteilinneren bleibt er manchmal unsichtbar und fällt erst beim Anschleifen, Bohren oder durch Klopfen (hohler Klang) auf. Im Gelcoat platzt eine solche Luftblase beim Schleifen oder Polieren häufig auf und hinterlässt ein sichtbares Loch. Sehr kleine Löcher dieser Art nennt man Pinhole oder Nadelstich – sie zählen streng genommen zu den Poren, gehen aber fließend in den Lunker über.

Warum das wichtig ist: An der Stelle eines Lunkers fehlt tragendes Material. Die Fasern sind dort nicht richtig mit Harz verbunden, der Querschnitt ist geschwächt, und Lasten müssen um den Hohlraum herumlaufen. Das senkt Festigkeit und Steifigkeit und kann zum Ausgangspunkt von Rissen oder Delamination (Ablösen der Laminatschichten) werden. An der Oberfläche ist ein Lunker zudem ein Schönheitsfehler – und sitzt er in einer Form, überträgt er sich auf jede spätere Abformung.

Im Detail

  • Wie Lunker entstehenHauptursache im GFK ist eingeschlossene Luft: zu dickes oder zu schnell aufgebautes Laminat, schlechtes Durchtränken (Dry Spot), scharfe Innenkanten und Ecken, in denen die Matte nicht satt anliegt, oder Luft, die beim Anmischen ins Harz eingerührt wurde. Im Gelcoat fördern zu schnelles Spritzen sowie falsche Viskosität oder falscher Spritzdruck die Blasenbildung.
  • Lunker, Pore und Dry Spot abgrenzenPoren sind sehr kleine, oft verteilte Lufteinschlüsse; ein Lunker ist ein einzelner größerer Hohlraum. Ein Dry Spot ist eine harzarme oder harzfreie Stelle, an der die Fasern trocken bleiben – er kann ebenfalls einen Hohlraum bilden. Die Begriffe überschneiden sich in der Praxis, beschreiben aber unterschiedlich große und unterschiedlich entstandene Fehlstellen.
  • ReparaturKleine, oberflächennahe Lunker werden aufgeschliffen, gereinigt, getrocknet und mit Harz, Spachtel (z. B. mit Microballoons) oder frischem Gelcoat verfüllt; danach wird nachgehärtet, geschliffen und poliert. Größere oder tragende Hohlräume erfordern meist das lokale Ausarbeiten und Neulaminieren, im Strukturbereich auch eine Schäftreparatur. Genaue Misch- und Härtungsangaben richten sich nach dem jeweiligen Produktdatenblatt.

Mehr dazu: Gelcoat-Fehler vermeiden und beheben: Lunker, Orangenhaut, Blasen & Risse