VARTM steht für Vacuum Assisted Resin Transfer Molding, auf Deutsch etwa vakuumunterstütztes Harztransferformen. Gemeint ist im internationalen Sprachgebrauch die Vakuuminfusion: Trockene Verstärkungsfasern liegen in einer einseitigen, festen Form, darüber kommt ein Vakuumsack als flexible Gegenform. Eine Vakuumpumpe entfernt die Luft und presst die Lagen zusammen; anschließend treibt der äußere Luftdruck das Harz vom Anguss durch das Laminat bis zur Absaugung. Die Pumpe zieht dabei nicht am Harz – sie stellt nur die Druckdifferenz her. Ein Überdruck wie beim klassischen RTM entsteht nicht.

Genau hier liegt die Stolperfalle: Der Begriff ist doppelt belegt. In der internationalen Fachliteratur bezeichnen VARTM, VARI und VIP durchweg dasselbe – die Infusion unter dem Vakuumsack. In Teilen der deutschsprachigen Anbieterliteratur steht VARTM dagegen für ein klassisches RTM mit zwei starren Formhälften, bei dem zusätzlich an den Steigern evakuiert wird, um die Tränkung zu verbessern. Das sind zwei grundverschiedene Werkzeugkonzepte mit sehr unterschiedlichen Kosten. Wer Angebote, Datenblätter oder Studien vergleicht, sollte deshalb nicht nach dem Kürzel gehen, sondern nachfragen, ob es eine zweite feste Formhälfte gibt oder einen Vakuumsack.

Im Detail

  • Woran sich die beiden Lesarten unterscheidenDas Unterscheidungsmerkmal ist nicht der Antrieb, sondern die Gegenform. Liegt über dem Laminat nur eine Folie, ist es Infusion: Die Bauteildicke stellt sich über den anliegenden Druck ein. Weil dieser Druck während des Füllens zur Fließfront hin abnimmt, schwanken Dicke und Faseranteil über die Fläche, bis sich der Aufbau nach dem Abklemmen ausgleicht. Sind es zwei starre Halbschalen, ist es RTM – dann gibt das Werkzeug die Dicke vor, unabhängig davon, ob zusätzlich evakuiert wird.
  • Abgrenzung zum klassischen RTMRTM presst das Harz mit echtem Überdruck in eine geschlossene, starre Kavität und liefert zwei werkzeugglatte Seiten. VARTM im internationalen Sinn ersetzt die obere Formhälfte durch den Vakuumsack: Das spart das teure zweite Werkzeug, das Bauteil hat aber nur eine formglatte Seite – die Sackseite trägt den Abdruck von Fließhilfe und Folie.
  • VARI, VIP, SCRIMP und die anderen KürzelFür dasselbe Grundprinzip kursieren zahlreiche Namen, viele davon ursprünglich Firmenbezeichnungen. VARI (Vacuum Assisted Resin Infusion) und VIP (Vacuum Infusion Process) werden praktisch synonym zu VARTM verwendet; SCRIMP (Seemann Composites Resin Infusion Molding Process) bezeichnet ein Verfahren, dessen Kern die Fließhilfe zwischen Folie und Laminat ist; die Grundpatente sind abgelaufen, der Name ist aber weiterhin eine eingetragene Marke. Für die Werkstatt ist die Unterscheidung meist ohne Belang – entscheidend bleibt, wie Anguss, Fließhilfe und Absaugung angeordnet sind.

Mehr dazu: Leitartikel: Vakuuminfusion von A bis Z · Leitartikel: das RTM-Verfahren im Detail