RTM steht für Resin Transfer Moulding, auf Deutsch sinngemäß Harzinjektionsverfahren. Es ist ein geschlossenes Fertigungsverfahren für Faserverbundbauteile: Die trockenen Fasern (Gewebe, Gelege oder eine vorgeformte Preform) liegen in einer zweiteiligen, geschlossenen Form. Erst danach kommt das flüssige Harz dazu – es wird unter Druck in die geschlossene Form eingepresst und tränkt die Fasern. Das ist der große Unterschied zum Handlaminieren, wo offen Schicht für Schicht gearbeitet wird. RTM gehört zur Familie der Liquid-Composite-Molding-Verfahren (Sammelbegriff für Verfahren, bei denen flüssiges Harz in trockene Fasern eingebracht wird).
Weil die Form von beiden Seiten geschlossen ist, bekommt das Bauteil zwei werkzeugglatte Oberflächen (Sicht- und Rückseite). Es entsteht eine sehr gute Maßgenauigkeit, ein hoher Faservolumengehalt (oft über 50 Prozent, je nach Auslegung) und ein gut reproduzierbares Ergebnis. Da das Harz im geschlossenen Werkzeug bleibt, entweicht deutlich weniger Styrol in die Halle als beim offenen Laminieren – ein klarer Arbeitsschutz-Vorteil. Der Preis dafür ist das präzise, dichte und druckfeste zweiteilige Werkzeug: RTM lohnt sich erst ab einer gewissen Serie. Prozessablauf, Prozessfenster, Varianten, Werkzeugauslegung und typische Fehlerbilder behandelt der Leitartikel zum RTM-Verfahren ausführlich.
Im Detail
- Woher der Name kommt„Transfer“ beschreibt den Kern des Verfahrens: Das Harz wird in die bereits geschlossene Form überführt. Das grenzt RTM vom Spritzgießen ab, bei dem die fertig gefüllte Kunststoffmasse selbst eingespritzt wird – beim RTM liegen die Fasern schon im Werkzeug, bevor das Harz kommt.
- Die Begriffe der RTM-FamilieLight-RTM (LRTM) arbeitet mit einer leichten, halbflexiblen Gegenform und Vakuum statt hohem Pressdruck. HP-RTM ist die Hochdruckvariante für die Automobil-Großserie. Vorsicht bei VARTM: International bezeichnet die Abkürzung die reine Vakuuminfusion mit flexiblem Vakuumsack, in Teilen der deutschsprachigen Anbieterliteratur dagegen ein klassisches RTM, bei dem zusätzlich an den Steigern evakuiert wird.
- Abgrenzung zur VakuuminfusionDer Unterschied liegt in der Gegenform: starres Zweischalenwerkzeug mit Einpressdruck (RTM) gegen flexiblen Vakuumsack ohne Überdruck (Infusion). Als Merksatz: Die starre Kavität legt die Bauteildicke fest, die flexible Abdeckung stattdessen den Faservolumengehalt.
Mehr dazu: Leitartikel: das RTM-Verfahren im Detail · Handlaminat, Vakuuminfusion oder RTM? Die Verfahren im Vergleich · RTM 4.0: Wie aus dem Spritzverfahren eine digitale Serienfertigung wird