Das, was Composites so gut macht – die feste Verbindung aus Faser und ausgehärtetem Harz –, ist ihr größtes Recyclingproblem. Man kann die beiden nicht einfach trennen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, denn vor allem Carbonfasern sind teuer und energieintensiv in der Herstellung. Drei Verfahrensfamilien konkurrieren um die beste Rückgewinnung.

Die drei Recyclingwege

  • Mechanisch: Das Material wird zerkleinert und gemahlen. Günstig und einfach, aber die Fasern werden stark geschädigt – das Mahlgut taugt meist nur als Füllstoff von geringem Wert.
  • Pyrolytisch: Das Harz wird unter Hitze (etwa 400–450 °C) thermisch zersetzt. So lassen sich relativ saubere Carbonfasern zurückgewinnen – allerdings oft kurz und „flauschig“.
  • Chemisch (Solvolyse): Lösungsmittel lösen das Harz bei milderen Temperaturen heraus. Das schont die Fasern am meisten – sie bleiben länger und behalten ihre Festigkeit.

Wohin sich die Forschung 2026 bewegt

Die Solvolyse macht die größten Fortschritte. Bei niedrigen bis unterkritischen Temperaturen (unter 250 °C) werden in Studien bis zu 99 Prozent der Fasern mit nahezu Originalfestigkeit zurückgewonnen. Jüngste Arbeiten zeigen mikrowellenunterstützte Verfahren, die das Harz bei 250 °C in unter zwei Stunden vollständig zersetzen und über 95 Prozent der Fasern intakt bergen. Der Haken bleibt die Wirtschaftlichkeit: Pyrolyse und Solvolyse liefern hohe Qualität, sind aber bei der Skalierung und den Kosten noch im Rennen mit dem günstigen, aber qualitativ schwachen mechanischen Weg.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Glas- und Carbonfaser: Bei teurer Carbonfaser rechnet sich aufwendiges Recycling eher, bei günstiger Glasfaser ist die Hürde höher. Genau hier setzt auch der politische Druck an (Windblade-Deponieverbot, EU-Kreislaufwirtschaft).