Beim Arbeiten mit GFK fallen feste Laminatreste, reaktive Komponenten, Lösemittel und verunreinigte Hilfsmittel an. Vollständig ausgehärtetes, nicht gefährlich verunreinigtes Laminat kann als nicht gefährlicher Kunststoffabfall eingestuft werden. Daraus folgt aber nicht, dass jeder GFK-Abfall harmlos ist: Schleifstaub muss staubdicht erfasst werden, und Beschichtungen, Anhaftungen oder Restchemikalien können die Einstufung ändern. Flüssige Harze, Härter und Lösemittel dürfen nicht in Abfluss, Boden oder die gewöhnliche Restmüllsammlung gelangen.

Zustand, Zusammensetzung und Herkunft prüfen

Der Zustand ist ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige. Die DGUV Information 201-062 nennt vollständig ausgehärtete Epoxidharze als nicht gefährlichen Abfall. Die DGUV Information 213-116 von 2024 schränkt das ein: Epoxidharzsysteme mit besonderen Inhaltsstoffen, etwa Tetrabrombisphenol A, sind auch ausgehärtet als gefährlicher Abfall zu entsorgen – deshalb die Entsorgungshinweise des Herstellers prüfen. Für die konkrete Entsorgung müssen dennoch Verunreinigungen und Herkunft berücksichtigt werden. Unausgehärtete Komponenten und lösemittelhaltige Abfälle sind anhand ihrer gefährlichen Eigenschaften, der Sicherheitsdatenblätter und der AVV einzuordnen. Bei einem unbekannten Gemisch keine Ungefährlichkeit aus Farbe, Geruch oder Festigkeit ableiten.

  • Häufig nicht gefährlich: vollständig ausgehärtete Laminate, Verschnitt und Harzreste ohne gefährliche Verunreinigung; Annahmebedingungen des Entsorgers beachten.
  • Gesondert prüfen und sammeln: Harz, Härter wie MEKP oder Aminhärter, Gelcoat, Topcoat und Lösemittel. Unverträgliche Stoffe getrennt halten.
  • Verunreinigte Hilfsmittel: Lappen, Aufsaugmaterial, Pinsel, Schutzkleidung und Gebinde können wegen ihrer Anhaftungen gefährlicher Abfall sein.

Aushärten nur für geeignete, bekannte Harzreste

Für nicht mehr verwendbare Komponenten eines bekannten Epoxidharzsystems beschreibt die DGUV das Zusammengeben zur Aushärtung. Das ist keine Freigabe zum Mischen beliebiger Abfälle. Nur zusammengehörige Komponenten im vorgeschriebenen Verhältnis und nach Herstellerangaben verwenden; in kleinen, flachen Mengen arbeiten und die Reaktionswärme berücksichtigen. Unbekannte Gemische, Lösemittel und organische Peroxide wie MEKP nicht auf diese Weise behandeln. MEKP niemals direkt mit Beschleuniger oder Fremdstoffen mischen. Auch ein festes Gemisch kann noch unverbrauchte Komponenten enthalten. Der Entsorgungsweg für vollständig ausgehärtete Reste richtet sich nach Zusammensetzung und örtlicher Annahmeregelung.

Reste aus dem Vakuumaufbau

Nach dem Entformen bleiben die Hilfsstoffe des Vakuumaufbaus zurück: Vakuumfolie, Abreißgewebe, Lochfolie, Saugvlies, Fließhilfe, Schläuche und Dichtband, miteinander verklebt und mit Harz getränkt. Einen eigenen Abfallschlüssel gibt es dafür in der Abfallverzeichnis-Verordnung nicht. Entscheidend ist, ob das Harz darin vollständig ausgehärtet ist. Ausgehärtetes Epoxid- oder Polyesterharz gilt nach den Informationen der Berufsgenossenschaften in der Regel nicht als gefährlicher Abfall, mit der oben genannten Ausnahme für Harzsysteme mit besonderen Inhaltsstoffen. Nicht oder nicht vollständig ausgehärtete Laminierharze sind dagegen als Sondermüll zu entsorgen. In die sortenreine Sammlung für ausgehärteten GFK-Verschnitt gehört der Vakuumaufbau nicht, denn er ist ein Gemisch aus verschiedenen Kunststoffen; den Abfallschlüssel legt man mit dem Entsorger fest.

Brandgefahr bei getränkten Lappen richtig einordnen

Bei acetongetränkten Lappen steht die Bildung leicht entzündlicher Dämpfe im Vordergrund. Aceton allein begründet nicht die typische oxidative Selbstentzündung trocknender Öle. Enthalten die Lappen zusätzlich reaktive Harzgemische, Peroxide oder Öle, kann außerdem Selbsterwärmung auftreten. Lösemittelfeuchte Lappen in dafür vorgesehenen, gekennzeichneten, nicht brennbaren und leitfähigen Sammelbehältern geschlossen halten; die Erdung nach betrieblicher Gefährdungsbeurteilung sicherstellen. Die DGUV und BG RCI verlangen geeignete Sammlung und rechtzeitige Entsorgung. Nicht offen in der Werkstatt anhäufen und nicht zum Verdunsten ausbreiten. Inkompatible Rückstände dürfen auch im Abfallbehälter nicht zusammenkommen.

Privat entsorgen

  • Ausgehärtete, nicht gefährlich verunreinigte Kleinmengen: örtliche Abfallsatzung prüfen. Häufig ist Restmüll zulässig; größere Bauteile gehören nach vorheriger Abstimmung zum Wertstoffhof oder Entsorger.
  • Größere Mengen, Boote, Tanks oder Formen: Material, Größe und mögliche Altbeschichtungen vorab beim Entsorger angeben; Annahme nicht ungeprüft voraussetzen.
  • Flüssige Harze, Härter, Gelcoat, Lösemittel und entsprechend verunreinigte Lappen: kommunale Schadstoffsammlung nach deren Mengen- und Stoffvorgaben nutzen.
  • Gebinde: Verpackungsmaterial und Restinhalt getrennt beurteilen. Eine tropffreie Verpackung ist bei gefährlichen Rückständen nicht automatisch für die normale Verpackungssammlung geeignet.
  • GFK-Bauteile sind keine Verpackungen und gehören nicht deshalb in den gelben Sack. Recycling und Verwertung hängen vom Materialsystem und regional verfügbaren Verfahren ab.

Im Betrieb

Für Betriebe sind Sammlung, Einstufung und zulässiger Entsorgungsweg zu dokumentieren. Die Gewerbeabfallverordnung verlangt für die von ihr erfassten gewerblichen Siedlungsabfälle grundsätzlich getrennte Sammlung, unter anderem von Kunststoffen; Ausnahmen sind zu begründen und zu dokumentieren. Für gefährliche Abfälle bestehen besondere Nachweispflichten, grundsätzlich mit elektronischer Nachweisführung. Wer insgesamt höchstens zwei Tonnen gefährlicher Abfälle pro Jahr erzeugt, fällt unter die Kleinmengenregelung des § 2 Absatz 2 NachwV; Übernahmescheine bleiben nach § 16 erforderlich. Die Eignung und erforderliche Berechtigung des Entsorgers müssen zum Abfall passen. Mögliche Verwertungsverfahren behandelt das Dossier Composite-Recycling: Verfahren.

AbfallartAVV-Schlüssel (gefährlich?)Entsorgungsweg
Ausgehärtetes GFK aus Kunststoffherstellung/-verarbeitungz. B. 07 02 13 (Kunststoffabfälle); die LAGA empfiehlt ihn für ausgehärtete GFK-Abfälle, die sortenrein gesammelt werden, mit dem Zusatz „enthält Glasfasern“Mit Abfallberatung/Entsorger festlegen; keine pauschale Hausmüllfreigabe für Produktionsabfälle
GFK aus Bau und Abbruch17 02 03; bei gefährlichen Stoffen ggf. 17 02 04*Kunststofffraktion getrennt vom mineralischen Bauschutt; Annahme abstimmen
Unausgehärtetes Harz / Gelcoat / Klebharzprozessabhängig, z. B. Kapitel 07 02, 08 01 oder 08 04Sicherheitsdatenblatt und Herkunft prüfen; Schadstoffsammlung oder geeigneter Entsorger
Härter und organische Peroxidenach Stoff und Herkunft festlegen; z. B. 16 05 08* bei entsprechenden organischen ChemikalienGetrennt und nach Herstellerangaben sammeln; MEKP nie mit Beschleuniger mischen
Aceton / andere nicht halogenierte Lösemittelz. B. 14 06 03*, wenn kein vorrangiger herkunftsbezogener Schlüssel passtGeschlossen sammeln; Schadstoffsammlung oder geeigneter Entsorger
Lappen, Aufsaugmaterial und Schutzkleidung15 02 02* bei Verunreinigung durch gefährliche Stoffe; sonst ggf. 15 02 03Nach Inhalt brandsicher und getrennt sammeln
Reste aus dem Vakuumaufbau (Folie, Abreißgewebe, Saugvlies, Fließhilfe, Schläuche, Dichtband)kein eigener Schlüssel; mit vollständig ausgehärtetem Harz in der Regel nicht gefährlich, mit nicht ausgehärtetem Harz gefährlich (Schlüssel mit Sternchen)Aushärtungszustand prüfen; getrennt vom sortenreinen GFK-Verschnitt sammeln; Schlüssel mit dem Entsorger festlegen
Verpackungen15 01 10* bei gefährlichen Rückständen/Verunreinigungen; sonst nach VerpackungsmaterialRestentleerung und Annahmebedingungen prüfen
Trockene Carbonfaser-Reste (Gewebe-, Gelege- und Rovingverschnitt)hilfsweise 07 02 15; sind die Fasern als gefährlicher Abfall einzustufen, 07 02 14*; stets mit dem Zusatz „enthält Carbonfasern“ (LAGA)Getrennt sammeln, nicht mit GFK mischen; Annahme mit dem Entsorger klären
Carbon-Prepreg-Reste, nicht ausgehärtethilfsweise 07 02 08* oder 08 04 09*, mit dem Zusatz „enthält Carbonfasern“ (LAGA)Als gefährlichen Abfall getrennt sammeln; ob und wie sich Reste aushärten lassen, bestimmt allein das Datenblatt des Herstellers – die Grenzen des Aushärtens von Resten beschreibt der Abschnitt oben
Ausgehärtetes CFK (Verschnitt, Fehlteile, ausgehärtete Prepreg-Reste)hilfsweise 07 02 13 als Monofraktion, mit dem Zusatz „enthält Carbonfasern“ (LAGA)Sortenrein und getrennt von GFK sammeln; nach LAGA und UBA nicht in Hausmüll- oder Sonderabfallverbrennung; Verwertung, etwa per Pyrolyse, mit dem Entsorger klären
Schleifstaub aus GFK-Bearbeitungkein pauschaler Schlüssel: nach Entstehungsprozess, Zusammensetzung und gefährlichen EigenschaftenStaubdicht erfassen und verschlossen sammeln; Zuordnung mit Entsorger klären
Beispiele zur Orientierung. Kapitel 19 betrifft Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen: 19 12 12 ist deshalb kein Regelschlüssel für Schleifstaub aus einer GFK-Werkstatt. Die AVV-Zuordnung folgt dem Entstehungsprozess und den gefährlichen Eigenschaften. Die Schlüssel für Carbonfaserabfälle sind Vollzugsempfehlungen der LAGA von 2019 und gelten nur hilfsweise, stets mit dem Zusatz „enthält Carbonfasern“; eigene Schlüssel für Carbonfaserabfälle gibt es in der AVV bislang nicht.