Ein Vlies (englisch Nonwoven, auch Vliesstoff) ist ein textiles Flächengebilde aus Fasern, die ungeordnet (also kreuz und quer, ohne festes Muster) abgelegt und anschließend miteinander verbunden werden. Anders als ein Gewebe oder Gelege werden die Fasern nicht zu Garnen versponnen und auch nicht verwebt oder verstrickt – es gibt also keine geordneten Fadenkreuzungen. Genau das unterscheidet das Vlies vom Gewebe (Fäden über Kreuz verwoben) und vom Gelege (parallel gelegte, fixierte Fäden).
Die wirre Faserlage hält durch verschiedene Verfahren zusammen: mechanisch (die Fasern werden vernadelt oder mit Wasserstrahl verschlungen), thermisch (eingeschmolzene Bindefasern verkleben die Lage) oder chemisch (ein flüssiges Bindemittel wird aufgetragen und gehärtet). Als Faser kommt je nach Einsatz Glas (C-Glas, E-Glas), Polyester (PET) oder ein anderer Kunststoff zum Einsatz. Weil die Fasern kurz und ungerichtet liegen, trägt ein Vlies kaum zur Festigkeit oder Steifigkeit eines Bauteils bei – seine Aufgabe ist eine andere.
Im GFK-Formenbau (GFK = glasfaserverstärkter Kunststoff) hat das Vlies vor allem zwei Rollen. Erstens als feines Oberflächenvlies (auch Surfacing Mat genannt): eine sehr dünne Lage, die direkt hinter den Gelcoat (die erste, harzreiche Deckschicht der Form) gelegt wird. Sie nimmt viel Harz auf und bildet eine gleichmäßige, harzreiche Schicht, die das grobe Muster (den Abdruck) der darunterliegenden Glasmatte oder des Gewebes von der Sichtfläche fernhält. Zweitens als Träger oder Hilfsmaterial, etwa als dünne Lage, die einem Material Halt gibt oder Harz speichert.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Glasfasermatte (CSM, Wirrfasermatte): Beide bestehen aus wirr gelegten Fasern, doch die CSM dient der Verstärkung im Laminataufbau, das Oberflächenvlies dagegen der Oberflächenqualität. Das Oberflächenvlies ist deutlich feiner und dünner.
Im Detail
- Flächengewicht und SchichtdickeOberflächenvliese sind sehr leicht; üblich sind etwa 30 bis 100 g/m² (Richtwerte, je nach Produkt/Datenblatt). Eine getränkte Lage baut nur rund 0,2 bis 0,5 mm auf. Dadurch lässt sich die Sichtschicht dünn und gleichmäßig halten.
- C-Glas und chemische BeständigkeitOberflächenvliese aus C-Glas (Chemical Glass) sind besonders chemikalienbeständig und werden gern bei Behältern, Pools und Rohren als korrosionsfeste Innenschicht eingesetzt. Es gibt auch Polyester- und reine Synthesevliese – die Wahl hängt vom Einsatz ab.
- Verarbeitung im LaminatBeim Handlaminieren wird das Vlies nass in das frische Harz eingelegt und blasenfrei mit der Rolle entlüftet. Es nimmt viel Harz auf, daher steigt der Harzanteil in dieser Lage – das ist gewollt, um eine glatte, harzreiche Oberfläche zu erzeugen.