MEKP steht für Methylethylketonperoxid (auch MEKP-Härter oder kurz Peroxid genannt). Es ist eine klare, dünnflüssige Flüssigkeit und der Standard-Härter für ungesättigte Polyesterharze (UP-Harze), Vinylesterharze und Gelcoats. Genau genommen ist MEKP kein Härter im Sinne eines festen Mischpartners wie bei Epoxidharz, sondern ein Initiator: Es startet die Vernetzung des Harzes, indem es in kleine, hochreaktive Molekülbruchstücke (sogenannte Radikale) zerfällt. Diese Radikale verknüpfen die Molekülketten des Harzes und des enthaltenen Styrols zu einem festen Kunststoff.
Damit MEKP schon bei Raumtemperatur arbeitet, braucht es einen Beschleuniger – meist eine Kobaltverbindung (z. B. Cobalt-Octoat), die in vielen Laminierharzen und Gelcoats bereits werkseitig enthalten ist (vorbeschleunigte Harze). Erst Härter und Beschleuniger zusammen ergeben das sogenannte Kalthärtungssystem, das ohne Ofen auskommt. Im GFK-Formenbau entscheidet die MEKP-Dosierung damit über Topfzeit (Verarbeitungszeit im Gebinde), Gelierzeit und Durchhärtung – sie prägt jeden Laminiergang an Form und Bauteil.
Wichtig für die Praxis: MEKP ist ein organisches Peroxid und damit ein reizender bis ätzender, brandfördernder Gefahrstoff. Es darf niemals unverdünnt direkt mit dem Beschleuniger zusammenkommen – diese Kombination kann sich heftig zersetzen, entzünden oder verpuffen. Beschleuniger und Härter werden deshalb immer getrennt und nacheinander ins Harz eingerührt.
Kennwerte
Richtwerte – maßgeblich ist das Datenblatt des konkreten Produkts.
| Wirkstoff | Methylethylketonperoxid (MEKP), üblicherweise als 50%-Lösung |
|---|---|
| Lösungsmittel/Träger | phlegmatisierter Weichmacher, z. B. Dimethylphthalat (je nach Produkt) |
| Dichte (20 °C) | ca. 1,1–1,18 g/cm³ (Richtwert, je nach Typ/Datenblatt) |
| Aktivsauerstoffgehalt | ca. 8,8–9,0 % (typisch für 50%-Lösung, Richtwert) |
| Dosierung | ca. 1–3 % bezogen auf das Harzgewicht (Richtwert; mehr als ca. 4 % bringt keine bessere Härtung) |
| Flammpunkt | ca. 55–65 °C (Richtwert, je nach Datenblatt) |
| SADT (selbstbeschleunigende Zersetzungstemperatur) | ca. 60–65 °C (Richtwert) |
| Lagerung | kühl/trocken, max. ca. 25 °C; je nach Hersteller einige Monate haltbar |
Eigenschaften & Verhalten
- Radikalstarter, kein MischpartnerMEKP wird nur in kleiner Menge zudosiert (Prozentbereich), nicht im festen Mischverhältnis wie bei Epoxidharz. Es startet die Reaktion, baut sich aber nicht als fester Bestandteil ins fertige Laminat ein.
- Braucht einen BeschleunigerAllein härtet MEKP bei Raumtemperatur kaum. Erst zusammen mit einem Kobaltbeschleuniger (oft schon im Harz enthalten) läuft die Kalthärtung zuverlässig an.
- Stark temperaturabhängigWärme beschleunigt, Kälte bremst die Reaktion deutlich. Unter etwa 15–18 °C wird die Härtung träge und unvollständig. Die Dosierung muss man der Raum- und Materialtemperatur anpassen.
- Exotherme ReaktionDie Aushärtung erzeugt selbst Wärme. Zu viel Härter oder zu dicke Schichten können überhitzen – das führt zu Rissen, Verzug oder im Extremfall zu Qualmen und Brandgefahr.
- Reizend/ätzend und brandförderndAls organisches Peroxid wirkt MEKP reizend bis ätzend auf Haut und Augen und kann durch Erwärmung einen Brand verursachen. Es ist ein eingestufter Gefahrstoff (u.a. GHS02, GHS05, GHS07).
Vorteile
- Bewährter Standard-Härter für Polyester, Vinylester und Gelcoat – günstig und nahezu überall verfügbar.
- Härtung bei Raumtemperatur möglich, kein Ofen zwingend nötig (Kalthärtung).
- Topfzeit und Gelierzeit lassen sich über Dosiermenge und Temperatur gut steuern.
- Sehr kleine Zugabemengen reichen aus, daher sparsam im Verbrauch.
- Funktioniert direkt mit vorbeschleunigten Harzen und Gelcoats – oft nur ein Bauteil zuzugeben.
Grenzen
- Gefahrstoff: reizend/ätzend und brandfördernd – erfordert Schutzbrille, Handschuhe und sicheres Lagern.
- Sehr dosierungs- und temperaturempfindlich; falsche Mengen führen zu Untervernetzung oder gefährlicher Überhitzung.
- Darf nie unverdünnt direkt mit dem Beschleuniger gemischt werden (Zersetzungs-, Entzündungs- und Verpuffungsgefahr).
- Begrenzt lagerstabil; Wirkung lässt mit der Zeit nach, daher nicht auf Vorrat horten.
Verarbeitung & Praxis
- Dosierung nach Gewicht des Harzes berechnen, nicht nach Augenmaß. Typisch 1–3 % – die genaue Menge steht im Datenblatt des jeweiligen Harzes oder Gelcoats.
- Temperaturregel: bei Kälte etwas mehr (Richtung 2–3 %), bei Wärme etwas weniger (Richtung 1–1,5 %) Härter, um eine brauchbare Topfzeit zu halten.
- Reihenfolge beachten: Beschleuniger (falls separat) zuerst gut ins Harz einrühren, dann erst den MEKP-Härter. Beschleuniger und Härter niemals direkt unverdünnt zusammenbringen.
- Gründlich, aber luftarm einrühren (etwa 1–2 Minuten), damit der Härter überall gleichmäßig verteilt ist – sonst entstehen weiche, unausgehärtete Stellen.
- Mindestverarbeitungstemperatur von ca. 15–20 °C einhalten; bei Kälte verdunstet zudem mehr Styrol und die Oberfläche kann klebrig bleiben.
- Für volle Endhärte nach dem Gelieren nachhärten (tempern), z. B. einige Stunden bei moderat erhöhter Temperatur – genaue Werte nach Harzdatenblatt.
Typische Einsatzgebiete
- Härten von ungesättigten Polyesterharzen (UP-Harz) beim Handlaminat im Formenbau
- Aushärten von Gelcoats und Vorgelat (Deckschicht) auf der Form
- Härtung von Vinylesterharzen für höher beanspruchte Bauteile
- Faserspritzen sowie Wickel- und Schleuderverfahren mit Polyestersystemen
- Polyester-Spachtel, Reparaturharze und Polymerbeton
Mehr dazu: Polyester, Vinylester oder Epoxid? Der große Harz-Vergleich