Gewebe, im Englischen Woven Roving genannt, ist eine flächige Verstärkung aus Glasfasern. Anders als ein feines Filamentgewebe wird es aus dicken Rovings gewebt – das sind Bündel aus vielen gerade liegenden Glasfilamenten. Diese Rovings kreuzen sich rechtwinklig in zwei Richtungen (0 und 90 Grad), also längs (Kette) und quer (Schuss). Dadurch trägt das Gewebe die Last in beide Richtungen ungefähr gleich gut.

Im GFK-Formenbau ist Gewebe der Klassiker für feste, steife Laminate. Weil die Fasern lang und weitgehend gerade durchlaufen, erreicht man eine deutlich höhere Festigkeit als mit einer Wirrfasermatte (Glasmatte, bei der die Fasern kreuz und quer liegen). Gleichzeitig bleibt der Harzanteil meist niedriger als bei der Matte, weil das grobe Gewebe vergleichsweise wenig Harz aufnimmt – das spart Gewicht und Kosten.

Es gibt verschiedene Webarten (Bindungen): Leinwand, Köper und Atlas (Satin). Sie unterscheiden sich darin, wie oft sich die Fäden kreuzen, und beeinflussen damit Drapierbarkeit (Anschmiegen an Konturen), Schiebefestigkeit und Optik. Für den Formenbau ist Köper 2/2 ein beliebter Allrounder: gut anlegbar, formstabil genug und mit gleichmäßigem Erscheinungsbild.

Kennwerte

Richtwerte – maßgeblich ist das Datenblatt des konkreten Produkts.

Materialmeist E-Glas-Rovinggewebe (Standard); seltener auch Spezialglas, sowie Carbon/Aramid als Gewebe
Flächengewicht (Richtwert)ca. 300 bis 800 g/m², sehr gängig 600 g/m²; einzelne Produkte bis ca. 1200 g/m² – je nach Datenblatt
BindungenLeinwand (L 1/1), Köper (K 2/2, Allrounder), Atlas/Satin (z. B. A 1/4, A 1/7)
Faservolumengehalt Handlaminatca. 30 bis 45 % (typisch um 35 %), je nach Technik und Datenblatt
Harz-zu-Glas-Verhältnis (Handlaminat)grob 1:1 nach Gewicht als Faustwert; Roving nimmt eher wenig Harz auf, je nach Bindung auch mehr
Laminatdicke pro Lage 600 g/m²ca. 0,6 bis 0,7 mm bei rund 35 % Faservolumen (Richtwert, z. B. HP-Textiles ca. 0,66 mm)
Harzverbrauch 600 g/m² (Richtwert)ca. 480 bis 500 g/m² bei rund 35 % Faservolumen (z. B. HP-Textiles ca. 493 g/m²)
Geeignete HarzePolyester (UP), Vinylester (VE), Epoxid (EP) – je nach Schlichte/Finish des Gewebes

Eigenschaften & Verhalten

  • Zweiachsige Festigkeit (0/90)Die geraden Rovings laufen in zwei Richtungen durch und tragen Last längs wie quer ähnlich gut. Das ergibt feste, steife Laminate – klar besser als eine Wirrfasermatte.
  • Welligkeit kostet FestigkeitBeim Weben liegen die Garne leicht wellig (Ondulation). Diese Welligkeit senkt die nutzbare Faserfestigkeit etwas – flacher liegende Fasern wie in Gelegen oder UD-Lagen sind hier theoretisch stärker.
  • Bindung steuert Drape und SchiebefestigkeitLeinwand ist am schiebefestesten, drapiert aber am schlechtesten. Atlas drapiert am besten, ist aber schiebeempfindlich. Köper liegt dazwischen – daher der Allrounder.
  • Eher niedriger HarzbedarfDurch die grobe Struktur nimmt Roving im Handlaminat relativ wenig Harz auf (Faustwert rund 1:1 Glas zu Harz). Das spart Gewicht gegenüber harzhungrigen Glasmatten.
  • Gute Handverarbeitung und saubere OptikGewebe lässt sich von Hand gut zuschneiden, auflegen und tränken; es zeigt ein gleichmäßiges Erscheinungsbild – bei Köper mit dem typischen schrägen Grat.
  • Schneller DickenaufbauSchwere Roving-Gewebe bauen pro Lage viel Dicke auf. So erreicht man dicke, steife Laminate mit wenigen Lagen – praktisch für Formen und große Bauteile.

Vorteile

  • Hohe Festigkeit und Steifigkeit durch gerade, durchlaufende Fasern – deutlich besser als Glasmatte.
  • Zweiachsig belastbar (0/90), also längs und quer gut tragend.
  • Eher niedriger Harzbedarf (Faustwert ca. 1:1) – leichter und günstiger als harzhungrige Matten.
  • Schneller Dickenaufbau bei schweren Roving-Gewichten, ideal für Formen und große Teile.
  • Gut von Hand zu verarbeiten und mit sauberer, gleichmäßiger Optik (besonders Köper).

Grenzen

  • Welligkeit (Ondulation) der Garne mindert die nutzbare Festigkeit gegenüber Gelegen oder UD-Verstärkungen.
  • Grobe, schwere Gewebe drapieren schlecht und neigen dazu, sich an der Oberfläche abzuzeichnen.
  • Bei stark gekrümmten Konturen sind Köper, Atlas oder Gelege oft besser geeignet als schwere Leinwand-Roving.
  • Schnittkanten fransen leicht aus, und bei schiebeempfindlichen Bindungen (vor allem Atlas) können die Rovings verrutschen.

Verarbeitung & Praxis

  • Zuschnitt vorbereiten: Roving franst an Schnittkanten leicht aus. Mit scharfer Schere oder Rollmesser zuschneiden und die Lagen vor dem Tränken bereitlegen.
  • Im Handlaminat in eine frische Harzschicht einlegen und blasenfrei einrollen (Entlüftungsroller). Roving tränkt zügig durch; am besten von der Mitte nach außen arbeiten.
  • Schlichte/Finish beachten: Das Gewebe ist auf bestimmte Harze abgestimmt (oft EP-verträglich oder universell). Im Datenblatt prüfen, ob es zu Polyester, Vinylester oder Epoxid passt.
  • Im Formenbau üblich: Gelcoat bzw. Formenharz, dann eine feine Kopplage (z. B. Feinmatte oder leichtes Gewebe) gegen Abzeichnen, danach schwere Roving-Lagen zum Aufbau.
  • Bindung nach Bauteil wählen: Leinwand für flache Teile und einfache Formen, Köper 2/2 für Standard und leichte Wölbungen, Atlas/Satin für enge Radien und Konturen.
  • Harzmenge dosieren: Ziel ist vollständige Tränkung ohne Harzseen. Zu viel Harz macht das Laminat schwerer und nicht fester – Faustwert grob 1:1 zum Glasgewicht.

Typische Einsatzgebiete

  • Festes Handlaminat im GFK-Formenbau (Formaufbau, Stützlaminate, dicke Laminate)
  • Köper 2/2 als Allrounder für sichtbare und leicht gewölbte Bauteile
  • Boots- und Yachtbau (Rumpf- und Decklaminate)
  • Behälter-, Tank- und Rohrleitungsbau
  • Großflächige, steife Bauteile und Abdeckungen
  • Verstärkung und Aufbau über Glasmattenlaminaten

Mehr dazu: CSM, Gewebe oder Gelege? Glasfaser-Halbzeuge im Vergleich