Ein Inhibitor ist ein chemischer Zusatz, der dem Harz absichtlich beigemischt ist, um es während Lagerung und Transport vor dem ungewollten Aushärten zu schützen. Man kann ihn sich als eine Art chemische Bremse vorstellen: Solange genug Inhibitor vorhanden ist, bleibt das Harz flüssig und verarbeitbar. Vor allem ungesättigte Polyesterharze, Vinylesterharze und die dazu passenden Gelcoats brauchen diesen Schutz, weil sie sonst schon bei normaler Raumtemperatur langsam von selbst vernetzen würden.

Chemisch ist ein Inhibitor ein sogenannter Radikalfänger. Die Aushärtung dieser Harze ist eine radikalische Kettenreaktion: Der Härter bildet sehr reaktive Teilchen (freie Radikale), die das Harz vernetzen lassen. Der Inhibitor fängt diese Radikale ab und macht sie unschädlich, bevor die Kettenreaktion in Gang kommt. Erst wenn so viel Härter (bei Polyester und Vinylester ein Peroxid wie MEKP) zugegeben wird, dass mehr Radikale entstehen als der Inhibitor abfangen kann, ist der Inhibitor verbraucht – und das Harz beginnt zu gelieren und auszuhärten.

Typische Inhibitoren sind Hydrochinon (HQ), p-Methoxyphenol (auch MEHQ genannt), t-Butylbrenzkatechin (TBC) oder Phenothiazin. Sie werden dem Harz schon vom Hersteller in sehr kleinen Mengen beigemischt – meist deutlich unter 0,1 Prozent, je nach Produkt und Datenblatt grob im Bereich einiger Zehner bis einiger Hundert ppm (Millionstel Gewichtsanteile), in Sonderfällen etwas mehr. Schon diese winzige Menge macht einen riesigen Unterschied: Ohne Inhibitor wäre ein Polyesterharz oft nur wenige Tage haltbar, mit Inhibitor sind es bei richtiger Lagerung viele Monate (Richtwert je nach Produkt etwa 3 bis 6 Monate, teils länger).

Wichtig für das Verständnis: Der Inhibitor wird mit der Zeit langsam aufgebraucht, auch ohne dass man Härter zugibt. Wärme und Lichteinfall beschleunigen diesen Verbrauch stark. Deshalb hält warm gelagertes Harz kürzer, und ein altes Gebinde kann irgendwann von selbst im Eimer geliert sein. Auch der Luftsauerstoff spielt mit: An der Harzoberfläche bilden sich mit Sauerstoff Peroxy-Radikale, mit denen der Inhibitor reagiert – das ist ein Grund, warum eine dünne Gelcoat-Schicht an der Luft manchmal klebrig bleibt und nicht richtig durchhärtet.

Im Detail

  • Inhibitor, Beschleuniger und Härter im ZusammenspielDer Inhibitor bremst, der Beschleuniger (z. B. eine Cobalt-Verbindung) treibt an, und der Härter (Peroxid wie MEKP) startet die Reaktion. Mehr Inhibitor verlängert die Gelzeit, mehr Beschleuniger verkürzt sie. Hersteller stellen dieses Verhältnis ab Werk so ein, dass eine brauchbare Verarbeitungszeit entsteht. Sicherheitshinweis: Peroxid-Härter und Beschleuniger niemals direkt miteinander mischen – sie können heftig reagieren; immer zuerst den Beschleuniger ins Harz, dann erst den Härter.
  • Inhibitor und Sauerstoff-KlebrigkeitWeil Sauerstoff die Aushärtung an der Oberfläche stört, bleiben offen liegende Polyesterlaminate oben oft leicht klebrig. Topcoats und manche Harze enthalten daher Paraffin (Lufttrocknerzusatz, Schwabbellack-Prinzip), das eine luftabschließende Schicht bildet, damit die Oberfläche klebfrei durchhärtet.