BMC steht für Bulk Moulding Compound, auf Deutsch etwa formlose Pressmasse. Gemeint ist ein vorgemischter, teigartiger Werkstoff, aus dem in Serie Formteile entstehen. Anders als beim klassischen Handlaminieren, wo man Glasfasergewebe und flüssiges Harz Schicht für Schicht von Hand aufträgt, ist bei BMC schon alles fertig vermischt: ein knetbarer Klumpen, der direkt ins Werkzeug kommt.

Die Masse besteht aus drei Hauptzutaten. Ein flüssiges Reaktionsharz dient als Bindemittel, meist ungesättigtes Polyesterharz oder Vinylesterharz, seltener Epoxidharz. Dazu kommen kurz geschnittene Glasfasern (sogenannte Schnittfasern), typisch nur wenige Millimeter bis rund 12 mm lang, je nach Produkt. Den größten mengenmäßigen Anteil machen oft mineralische Füllstoffe aus, etwa Kreide (Calciumcarbonat) oder Aluminiumtrihydrat, das zugleich das Brandverhalten verbessert; dazu kommen weitere Hilfsstoffe. Als grobe Richtwerte nennen Datenblätter häufig einen Faseranteil von rund 10 bis 30 Prozent und einen vergleichsweise hohen Füllstoffanteil; die genaue Rezeptur und alle Zahlen stehen immer im jeweiligen Datenblatt.

BMC ist ein Duroplast: Unter Wärme vernetzt das Harz chemisch und härtet dauerhaft aus, es wird also nicht wieder weich. Verarbeitet wird die Masse in beheizten Stahlwerkzeugen, entweder durch Verpressen oder, sehr verbreitet, durch Spritzgießen. Die Werkzeugtemperatur liegt je nach System etwa zwischen 130 und 180 °C; je nach Teil sind kurze Taktzeiten in der Größenordnung von rund einer Minute möglich. Wichtig zu wissen: Roh-BMC enthält bereits das Reaktionsmittel für die Härtung und wird deshalb kühl gelagert, damit es nicht vorzeitig anhärtet.

Der Reiz von BMC liegt in der Serienfertigung. Sind Material und Werkzeug einmal eingerichtet, entstehen Teil für Teil maßhaltige, reproduzierbare Bauteile mit geringem Schwund, guter Formtreue und konstanter Qualität. Typische Eigenschaften sind hohe Steifigkeit, gute elektrische Isolation und je nach Rezeptur ein gutes Brandverhalten. Typische Einsatzfelder sind daher Elektrotechnik (Gehäuse, Schalter, Isolierteile), Automobilkomponenten (etwa Scheinwerferreflektoren) und Haushaltsgeräte.

Im Detail

  • BMC oder SMCBeide sind faserverstärkte Duroplast-Pressmassen mit ähnlicher Chemie. BMC ist teigig und enthält kurze Fasern; SMC (Sheet Moulding Compound) kommt als plattenförmige Bahn mit längeren Fasern und liefert dadurch oft höhere Festigkeit, vor allem bei größeren Flächenteilen.
  • Abgrenzung zum offenen FormenbauBMC zielt auf hohe Stückzahlen mit teuren Metallwerkzeugen und Pressen. Im klassischen GFK-Formenbau (Handlaminat, Vakuuminfusion) arbeitet man dagegen mit Negativformen aus GFK und kleineren Stückzahlen, dafür flexibler und mit weniger Werkzeugkosten.

Mehr dazu: HP-RTM, SMC und BMC: Composite-Serienfertigung mit kurzen Taktzeiten