Ein Passstift (englisch alignment pin oder dowel pin) ist ein kurzer, sehr genau gefertigter Stift aus Stahl oder Kunststoff. Seine Aufgabe ist einfach beschrieben: Er sorgt dafür, dass die beiden Hälften einer geteilten Form jedes Mal an exakt derselben Stelle aufeinandertreffen. Man spricht deshalb auch von Zentrierung oder Registrierung der Formhälften.
Geteilte Formen braucht man immer dann, wenn ein Bauteil rundum (also nicht nur von einer Seite) abgeformt werden soll, zum Beispiel ein Rumpf, eine Verkleidung oder eine Helmschale. Eine solche Form besteht aus zwei oder mehr Schalen, die am Rand mit einem Formflansch (dem umlaufenden Steg) aneinanderstoßen. Damit das spätere Bauteil keinen versetzten Naht-Grat bekommt, müssen diese Schalen beim Schließen auf Bruchteile eines Millimeters genau passen. Genau das leistet der Passstift: An einer Hälfte sitzt der Stift, an der anderen die passende Bohrung oder Buchse. Beim Zusammenlegen führt der Stift die Hälften automatisch in die richtige Lage.
Der Passstift übernimmt nur das Ausrichten, nicht das Zusammenhalten. Das Verspannen der Form gegen Auseinanderdrücken (etwa beim Vakuum oder beim Einlegen des Laminats) erledigen Schrauben, Klammern oder Spannvorrichtungen. Stift und Schraube arbeiten also als Team: Der Stift positioniert, die Verschraubung hält. Wichtig ist auch, dass die Passung weder zu stramm (sonst klemmt und verschleißt sie) noch zu locker (sonst wackeln die Hälften) ist.
Im Detail
- Einbau am FormrandDie Passstift-Positionen werden schon beim Bau der Form festgelegt. Dazu wird die Trennebene (die spätere Trennfläche zwischen den Hälften, oft mit einem Trennbrett aufgebaut) an den richtigen Stellen gebohrt. Bei herausnehmbaren Systemen sitzt der Stift in einer Metallbuchse, die beim Laminieren der ersten Formhälfte mit eingegossen wird; der Stift hält die Buchse während des Aushärtens in exakter Lage. So liegt die Zentrierposition später dauerhaft und maßgenau im Formflansch.
- Herausnehmbare und mehrteilige SystemeIm Handel gibt es mehrteilige, herausnehmbare Passstift-Systeme aus Stift plus einlaminierter Messing- oder Stahlbuchse. Vorteil: Der Stift lässt sich zum Reinigen oder Entformen herausziehen, der Formrand bleibt sauber, und der Stift ist wiederverwendbar. Bei Vakuumanwendungen (etwa für Sandwich-Bauteile in Wabenbauweise) stören herausnehmbare Stifte zudem nicht beim Ziehen des Vakuumsacks.
- Alternativen zum StiftStatt zylindrischer Stifte nutzen manche Formenbauer eingelegte Stahlkugeln (zum Beispiel rund 10 mm) mit passenden Vertiefungen. Vorteil dieser Kugel-Pfanne-Lösung: Die Form lässt sich in nahezu beliebige Richtung öffnen. Zylindrische Stifte zwingen die Form dagegen, exakt in Stiftrichtung (meist senkrecht) geöffnet zu werden, sonst können Stift oder Formrand beschädigt werden. Das Funktionsprinzip bleibt gleich: formschlüssige Zentrierung der Hälften.
- Richtwerte und MaterialGängige herausnehmbare Systeme orientieren sich an Gewindegrößen wie M6 bis M8 (passend zur jeweiligen Klemmbuchse), je nach Formgröße und Produkt. Das sind Richtwerte: Genaue Maße, Passungen und Einbauabstände immer dem Herstellerdatenblatt entnehmen. Stahlstifte sind langlebig und maßgenau; Kunststoffvarianten sind günstig und korrosionsfrei.