Im GFK-Formenbau braucht man fast immer zuerst eine Form (das „Negativ“), in die später laminiert wird. Diese Form klassisch aus Modellbauplatten oder einem Materialblock herzustellen, kostet viel Zeit und erzeugt viel Abfall. Hier setzt der großformatige 3D-Druck an – in der Branche „LFAM“ oder „LSAM“ genannt (Large-Format/Large-Scale Additive Manufacturing).

Wie es funktioniert

Ein roboter- oder portalgeführter Druckkopf schmilzt Kunststoff-Granulat (sogenannte Pellets) auf und legt es Bahn für Bahn ab – ähnlich wie eine sehr große Heißklebepistole. Verwendet werden meist kohlefaserverstärkte Thermoplaste, also Kunststoffe mit eingemischten Fasern für mehr Steifigkeit. So entstehen Formen im Meterbereich; Anlagen wie die von Thermwood drucken in Bauräumen um 1,3 × 2,5 × 1 Meter und legen mehrere Kilogramm Material pro Stunde ab.

Warum sich das lohnt

  • Tempo: Werkzeuge entstehen in Stunden bis Tagen statt Wochen.
  • Weniger Abfall: Material wird nur dort aufgebaut, wo es gebraucht wird – nicht aus dem Vollen weggefräst.
  • Große Teile am Stück: ideal für sperrige Formen, z. B. im Boots- oder Fahrzeugbau.
  • Änderbar: Geometrie-Anpassungen laufen über die Datei, nicht über einen kompletten Neuaufbau.

Der entscheidende Punkt: Drucken allein reicht nicht

Eine frisch gedruckte Oberfläche ist zu rau und zu undicht, um direkt darin zu laminieren. Über die Qualität entscheidet die Nachbearbeitung. In der Praxis hat sich eine hybride Kette aus Drucken und Fräsen durchgesetzt:

  1. Drucken: Grundkörper der Form additiv aufbauen
  2. Tempern: das Bauteil spannungsarm „ausruhen“ lassen
  3. Fräsen (5-Achs): Funktionsflächen auf Maß und Glätte bringen
  4. Versiegeln: Poren schließen, damit später Vakuum dicht hält
  5. Beschichten: Trennmittel und ggf. Gelcoat für die fertige Werkzeugoberfläche

Wo die Grenzen liegen

  • Richtungsabhängigkeit: Durch den Schichtaufbau sind gedruckte Teile nicht in alle Richtungen gleich fest (Fachbegriff: Anisotropie).
  • Verzug: Ungleiches Abkühlen erzeugt Spannungen, die das Teil verziehen können.
  • Dichtheit & Oberfläche: ohne Fräsen und Versiegeln kein vakuumdichtes, glattes Werkzeug.
  • Standzeit: Wärmeleitung und Langzeit-Haltbarkeit erreichen (noch) nicht das Niveau von Metallformen.

2026: die Technik wird erwachsen

Auf der JEC World 2026 zeigte sich, wie schnell LFAM im Formenbau reift. CMS stellte das Robotersystem KREAROB vor (rund 30 Kilogramm Materialaustrag pro Stunde, 3 Meter Arbeitsradius, Bautisch 2,5 × 1,5 Meter); Caracol hat sich mit dem Heron-System als einer der Marktführer für roboterbasierten Großdruck etabliert, und Formes et Volumes zeigte carbonverstärkte Polycarbonat-Formen für unter 15.000 Euro – ein Preisniveau, das den Einstieg deutlich senkt. Materialseitig treibt Airtech gedruckte Werkzeuge aus vollständig recyceltem Kohlenstofffaser-Polyamid voran und schließt damit den Kreislauf: Werkzeuge, die am Ende ihres Lebens wieder zu Druckmaterial werden.