Bei Metall schraubt oder schweißt man – bei Faserverbund ist das oft die schlechteste Lösung. Eine Bohrung durchtrennt die durchgehenden Fasern und erzeugt eine Kerbe, an der sich Spannungen stauen. Eine flächige Klebung dagegen verteilt die Last über eine große Fläche und nutzt die Faserfestigkeit voll aus. Deshalb gilt: Im Composite-Bau ist Kleben meist erste Wahl.

Die Oberfläche entscheidet über alles

Keine Klebung ist besser als ihre Vorbereitung. Der häufigste Grund für versagende Klebungen sind Trennmittelreste, Wachs, Fett oder eine glatte, chemisch inaktive Oberfläche. Pflicht ist daher: anschleifen (mechanischer Halt), gründlich reinigen und entfetten, und unmittelbar vor dem Kleben nicht mehr mit bloßen Händen berühren. Eine frisch laminierte, noch klebrige Fläche bindet ohnehin am besten an.

  • Anschleifen, bis der Glanz weg ist – aber ohne die tragenden Fasern durchzuschleifen.
  • Mit sauberem Tuch und geeignetem Reiniger entfetten; Schleifstaub restlos entfernen.
  • Peel-Ply (Abreißgewebe) hinterlässt eine definiert raue, saubere Klebefläche – ideal für spätere Klebungen.
  • Silikon ist der Feind jeder Klebung und Lackierung – aus dem Arbeitsbereich verbannen.

Den richtigen Klebstoff wählen

  • Epoxid-Klebstoffe: höchste Festigkeit und Beständigkeit, gut spaltfüllend – der Standard für Strukturklebungen.
  • Methacrylat (MMA): schnell, zäh, klebt auch auf wenig vorbereiteten Oberflächen.
  • Polyurethan: elastisch, gut für unterschiedliche Werkstoffe und Bewegungen (z. B. Verklebungen mit Spaltausgleich).
  • Eingedicktes Laminierharz: für einfache Klebungen im laufenden Laminierprozess (mit Microballons oder Baumwollflocken angedickt).

Klebung richtig gestalten

Eine gute Klebverbindung ist auf Scherung belastet, nicht auf Schälung. Große Überlappungen, sanfte Übergänge und ausreichende, gleichmäßige Klebspaltdicke verteilen die Last. Punktuelle Zug- oder Schälbeanspruchung dagegen reißt selbst starke Klebungen auf. Wo hohe Sicherheit gefordert ist, kombiniert man Kleben mit Nieten oder Schrauben (hybride Fügung).

Schweißen – nur bei Thermoplasten

Klassische GFK-Bauteile aus duroplastischem Harz lassen sich nicht schweißen. Thermoplastische Composites dagegen schon: Sie werden lokal aufgeschmolzen und stoffschlüssig verbunden – schnell, ohne Klebstoff und sogar wieder lösbar. Mehr dazu im Leitartikel zu Thermoplast-Composites.