Harz und Härter allein liefern selten das gewünschte Ergebnis. Damit ein Laminat blasenfrei aushärtet, eine Beschichtung glatt verläuft oder eine Spachtelmasse an der senkrechten Wand stehen bleibt, kommen Additive ins Spiel – also Funktions-Zusätze, die das Harz in winzigen Mengen gezielt beeinflussen. Sie verändern nicht die Grundchemie der Aushärtung, sondern steuern Eigenschaften wie Entlüftung, Verlauf, Viskosität, Farbe oder Brandverhalten. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Funktions-Additive. Klassische Füllstoffe (Microballons, Baumwollflocken) und die Reaktionssteuerung über Beschleuniger und Inhibitoren behandeln wir bewusst nur am Rande – dafür gibt es eigene Dossiers.

Entlüfter und Entschäumer: gegen Luftblasen

Beim Mischen, Gießen und Laminieren wird fast immer Luft eingerührt. Diese Blasen schwächen das Bauteil und stören die Optik. Zwei Additiv-Gruppen wirken hier: Entlüfter helfen feinen Bläschen, schneller an die Oberfläche zu steigen, bevor das Harz geliert; Entschäumer zerstören den Schaum, der sich an der Oberfläche bildet. Chemisch handelt es sich teils um Polysiloxane (Silikon-Polymere), teils um silikonfreie Polymere – beide Wirkprinzipien sind im Markt verbreitet. Typische silikonfreie Produkte für Epoxidsysteme sind etwa BYK-A 535 (silikonfreier Entlüfter) oder BYK-1765 (silikon- und lösemittelfreier Entschäumer für High-Solid- und lösemittelfreie Epoxide). Die Dosierung ist klein: häufig 0,3–1,2 % bezogen auf das Mischgewicht (Richtwert; im Zweifel Datenblatt). Wichtig: Gerade silikonhaltige Typen können bei Überdosierung die spätere Lack- oder Klebehaftung stören – also sparsam und genau nach Datenblatt einsetzen.

Verlaufsmittel und Netzmittel: glatte Oberflächen

Flüssigkeiten wollen sich zu Tropfen zusammenziehen – das erzeugt bei Beschichtungen Krater, Orangenhaut oder Randflucht (das Zurückweichen vom Rand). Verlaufsmittel senken die Oberflächenspannung und sorgen für einen gleichmäßigen, glatten Film. Untergrund-Netzmittel verbessern zusätzlich die Benetzung, also das Anhaften der flüssigen Schicht am Untergrund, und beugen so Benetzungsstörungen vor. Chemisch sind das oft Polyacrylate oder modifizierte Silikone. Wie die meisten Lackadditive werden sie nur in kleinen Mengen eingesetzt, meist deutlich unter 1 % (Richtwert; im Zweifel Datenblatt). Auch hier gilt: zu viel Silikon kann Folgebeschichtungen erschweren.

Thixotropiermittel: Standfestigkeit ohne Ablaufen

Ein Harz, das an einer senkrechten Form nicht abläuft, braucht Thixotropie: Im Ruhezustand ist es zähstandfest, beim Rühren oder Streichen wird es kurzzeitig dünnflüssig. Das wichtigste Mittel dafür ist pyrogene Kieselsäure (Markenname Aerosil), ein extrem feines Pulver mit riesiger spezifischer Oberfläche – beim Typ Aerosil 200 rund 200 m²/g (genauer 175–225 m²/g laut Datenblatt). Schon kleine Mengen erhöhen die Viskosität stark und machen das Harz standfest, etwa für Gelcoats an Senkrechten oder als Klebespachtel. Übliche Zugaben liegen je nach gewünschter Konsistenz bei rund 1–5 % (Richtwert; im Zweifel Datenblatt). Wichtig: gut einarbeiten (idealerweise mit Dissolver), Staub vermeiden und Atemschutz tragen. Achtung Abgrenzung – die genaue Verarbeitung pyrogener Kieselsäure und der Vergleich mit anderen Füllstoffen stehen im Füllstoff-Dossier.

Farbpasten, UV-Schutz und Flammschutz

Drei weitere Additiv-Gruppen runden das Bild ab. Farbpasten und Pigmente sind hochkonzentrierte, reaktionsneutrale Bindemittel mit Pigmenten; sie färben Laminier-, Gieß- und Deckschichten ein. Richtwerte: etwa 2–5 % für Laminier- und Gießharze, 10–15 % für Deckschichten (Richtwert; im Zweifel Datenblatt). Pigmente können die Topfzeit verändern, und weiß eingefärbtes Epoxid vergilbt unter UV besonders auffällig. Hier setzen UV-Stabilisatoren und HALS an: UV-Absorber verzögern das Vergilben, HALS (Hindered Amine Light Stabilizers – sterisch gehinderte Amine) unterbrechen die schädlichen Radikalreaktionen und schützen langfristig. Flammschutz übernimmt häufig ATH (Aluminiumhydroxid): Bei Hitze (Zersetzung ab etwa 200 °C) spaltet es endotherm Wasser ab, kühlt das Material, verdünnt brennbare Gase und senkt die Rauchdichte spürbar. Wie stark die Rauchminderung ausfällt, hängt allerdings stark von Füllgrad, Formulierung und Harzsystem ab und lässt sich nicht pauschal beziffern. ATH ist ein mineralischer Füllstoff und wird in hohen Anteilen zugegeben.

AdditivWirkunggrobe Dosierung
Entlüfter / EntschäumerLuftblasen entfernen, Oberflächenschaum zerstörenca. 0,3–1,2 %
Verlaufs- / NetzmittelOberflächenspannung senken, glatter Verlaufmeist deutlich unter 1 %
Thixotropiermittel (Aerosil)Standfestigkeit, kein Ablaufen senkrechtca. 1–5 %
Farbpasten / PigmenteEinfärben von Harz und Deckschicht2–5 % Laminat, 10–15 % Deckschicht
UV-Stabilisator / HALSVergilbungs- und Bewitterungsschutzlaut Produktdatenblatt
Flammschutz (ATH)Brand verzögern, Rauch mindernca. 20–80 % (hoher Füllgrad)