Fischaugen – fachlich Krater oder Benetzungsstörungen – sind kreisrunde Vertiefungen, in denen sich der noch flüssige Gelcoat (die erste, formseitige Farbschicht) von einer Stelle zurückzieht. Dahinter steckt fast immer ein physikalischer Effekt: Trifft der Gelcoat auf eine Stelle mit deutlich niedrigerer Oberflächenspannung (etwa einen winzigen Silikon- oder Ölfilm), kann er diese nicht benetzen und fließt zurück. Es entsteht ein Krater mit oft erhöhtem Rand.
Im Formenbau ist der Fehler besonders ärgerlich, weil er sich von der Form direkt auf jedes abgeformte Bauteil überträgt. Schon kleinste Spuren reichen aus – Silikon ist hier der klassische Übeltäter, weil es sehr stark spreitet und in winzigen Mengen wirkt; in der Lacktechnik genügen bereits Unterschiede in der Oberflächenspannung von wenigen mN/m, um Krater auszulösen. Die gute Nachricht: Fischaugen sind im Kern Sauberkeits- und Verarbeitungsfehler und damit sehr zuverlässig vermeidbar.
Mögliche Ursachen
- Silikonkontamination (Hauptursache)Silikon hat eine sehr niedrige Oberflächenspannung, spreitet stark und verursacht schon in Spuren Krater. Quellen sind Trennsprays, Pflege- und Cockpitsprays, Anti-Spritzer-Sprays, manche Klebstoffe, Hautcremes oder benachbarte Lackierarbeiten. In der Werkstatt gilt: Silikon und Gelcoat vertragen sich nicht.
- Öl und Wasser aus der DruckluftBeim Spritzen schleppt feuchte oder ölhaltige Druckluft feinste Tröpfchen in die Schicht. Sie wirken wie eine Silikonstörstelle und reißen die Oberfläche auf. Ohne Wasserabscheider und Ölfilter in der Leitung ist Kraterbildung beim Spritz-Gelcoat fast vorprogrammiert.
- Trennmittelreste auf der FormZu viel oder ungleichmäßig auspoliertes Wachs sowie wachs-/silikonhaltige Trennmittel hinterlassen Stellen, die der Gelcoat nicht benetzt. Auch frisch eingewachste, nicht vollständig auspolierte Formen neigen dazu.
- Zu dünner AuftragEine zu dünne oder zu dünnflüssige Schicht hat wenig Eigengewicht und kann eine vorhandene Störstelle nicht überdecken – die Benetzungsstörung schlägt durch. Eine ausreichende, gleichmäßige Schichtdicke stabilisiert den Film (im Formenbau übliche Richtwerte rund 0,5–0,7 mm; verbindlich ist immer die Herstellerangabe des verwendeten Gelcoats).
So behebst du es
- Krater und Umgebung gründlich anschleifen, bis ein gleichmäßiger, mattierter Grund ohne Reste der Störstelle erreicht ist – nur Anschleifen entfernt eingelagerte Kontamination zuverlässig.
- Fläche mit sauberem Tuch und geeignetem Reiniger entfetten; bei Silikonverdacht einen speziellen Silikonentferner verwenden (reines Aceton löst Fette, kann Silikon aber eher verschmieren als entfernen). Tücher häufig wechseln und nicht mit kontaminiertem Lappen nacharbeiten.
- Ursache abstellen, bevor neu beschichtet wird: Silikonquellen aus dem Raum entfernen, Druckluft entwässern und entölen, Trennmittel-Auftrag kontrollieren.
- Gelcoat in ausreichender, gleichmäßiger Schichtdicke neu auftragen; bei wiederkehrenden Kratern hilft ein vom Hersteller freigegebenes Anti-Krater-/Verlaufsadditiv – sparsam und nach Datenblatt dosieren.
- Nach dem Aushärten flach schleifen und auf Hochglanz polieren; bei tiefen Einzelkratern vorher mit Gelcoat bzw. einem geeigneten Feinspachtel füllen.
So beugst du vor
- Absolute Sauberkeit: Form, Werkzeug, Pinsel und Hände frei von Fett, Öl, Wachs und Hautcreme halten.
- Silikon konsequent aus der Werkstatt verbannen – keine Silikonsprays, Cockpitpflege oder Anti-Spritzer-Mittel im selben Raum; eine silikonfreie Zone einrichten.
- Druckluft mit Wasserabscheider und Ölfilter aufbereiten; Schläuche und Spritzgerät sauber und ölfrei halten.
- Silikonfreie Trennmittel verwenden, Wachs dünn auftragen und vollständig auspolieren; semi-permanente Systeme erwägen.
- Gelcoat in ausreichender, gleichmäßiger Schichtdicke auftragen (Herstellerangabe beachten; im Formenbau üblich sind etwa 0,5–0,7 mm).
- Bei bekannter Kraterneigung ein vom Hersteller freigegebenes Anti-Krater-/Verlaufsadditiv einsetzen.
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