Pinholes (deutsch: Nadelstiche) sind nadelfeine Löcher in der Gelcoat-Oberfläche – dem ersten, oberflächenbildenden Harzfilm einer Form oder eines Bauteils. Sie entstehen, wenn beim Auftragen winzige Luftbläschen unter der Oberfläche eingeschlossen werden. Solange der Film geschlossen ist, fallen sie oft nicht auf; erst beim Schleifen oder Polieren wird die dünne Decke über der Blase geöffnet und die Pore tritt als dunkler Punkt zutage. Das ist der Grund, warum Nadelstiche scheinbar „aus dem Nichts“ auftauchen, nachdem man die Oberfläche schon für fertig hielt.

Bei Formen sind Pinholes besonders ärgerlich: Jeder Stich in der Formoberfläche bildet sich als winzige Erhebung in jedem Abformteil ab und vervielfältigt den Fehler. Vorbeugung ist hier alles, denn die nachträgliche Reparatur ist beim Gelcoat eine der undankbarsten Aufgaben – beim Verschleifen reißt man leicht die umliegende, ebenfalls porige Schicht auf und vergrößert das Problem.

Mögliche Ursachen

  • Schlechte Zerstäubung beim SpritzenEine grobe, ungleichmäßige Zerstäubung von Gelcoat oder Härter schlägt Luft in den nassen Film, die nicht mehr entweichen kann. Falsche Düsengröße, ungeeignete Viskosität und unsaubere Spritztechnik sind typische Auslöser.
  • Zu hoher SpritzdruckÜberhöhter Luftdruck verschwendet Material und treibt zusätzliche Luft in den nassen Film. Übliche Richtwerte liegen je nach Pistole und Material bei etwa 40–80 psi (rund 3–6 bar), abgestimmt auf Schichtdicke und Viskosität – nicht „so viel wie möglich“. Maßgeblich sind immer die Angaben des Pistolen- und Gelcoat-Herstellers.
  • Zu dicker oder zu schneller AuftragWird Gelcoat in einer dicken Lage oder zu hastig aufgebracht, kann eingeschlossene Luft nicht mehr an die Oberfläche aufsteigen, bevor das Harz geliert. Die Blasen bleiben gefangen und werden später freigelegt.
  • Kalte Form, kaltes Material, hohe ViskositätNiedrige Temperaturen von Werkstatt, Form oder Gelcoat erhöhen die Viskosität. Zähes Material lässt Luftblasen kaum noch entweichen – Verarbeitung und Aushärtung sollten möglichst bei rund 18–21 °C oder darüber stattfinden (viele Hersteller nennen etwa 21 °C als Untergrenze).
  • Feuchtigkeit und Schmutz aus Druckluft oder FormWasser in den Druckluftleitungen, Schmutz in Abscheidern sowie Staub auf der Form schlagen sich als Fehlstellen nieder. Sie zeigen sich oft erst beim Reinigen oder Polieren als Pinhole.

So behebst du es

  1. Pinholes erst beheben, wenn das Gelcoat vollständig durchgehärtet ist – sonst verschmiert man die Poren nur.
  2. Den betroffenen Bereich mit feinem Schleifpapier (z. B. 320–400) leicht anschleifen, sodass die Poren geöffnet und sauber sind. Reststaub vollständig entfernen und entfetten.
  3. Mit dünnflüssigem, frisch katalysiertem Gelcoat oder einem feinen Gelcoat-/Polyester-Feinspachtel die Poren satt überfüllen und mit einem Spachtel kräftig einpressen, damit kein Luftpolster zurückbleibt.
  4. Aushärten lassen, dann nass schleifen (z. B. 600 → 1000 → 2000) und neu polieren.
  5. Bei großflächiger Porigkeit ist Ausbessern oft aussichtslos: Hier den betroffenen Gelcoat-Bereich abtragen und korrekt neu auftragen statt endlos zu flicken.

So beugst du vor

  • Gelcoat in mehreren dünnen, gleichmäßigen Lagen auftragen statt in einer dicken – meist in zwei bis drei Spritzgängen auf eine Gesamt-Nassschicht von rund 0,5–0,8 mm (Herstellerangabe beachten).
  • Spritzpistole auf feine Zerstäubung einstellen, moderaten Druck (ca. 40–80 psi) wählen und mit gleichmäßigem Abstand zur Form arbeiten (üblich rund 15–30 cm, bei dickeren Lagen etwas mehr).
  • Druckluftleitungen vor dem Spritzen entwässern, Wasserabscheider und Filter prüfen, Form staub- und fettfrei halten.
  • Werkstatt, Form und Material auf Verarbeitungstemperatur bringen (möglichst rund 21 °C oder darüber), damit die Viskosität niedrig bleibt und Luft entweichen kann.
  • Gelcoat vor der Verarbeitung gut aufrühren und kurz ruhen lassen, damit eingerührte Luft entweicht.
  • Im anschließenden Laminataufbau entlüftende Werkzeuge nutzen und mit Entlüftungsroller bzw. Pinsel sorgfältig durcharbeiten; in der ersten Lage erleichtern pulvergebundene Glasmatten das blasenfreie Tränken gegenüber emulsionsgebundenen.

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