Runzeln (englisch oft „alligatoring“, also „Krokodilhaut“) gehören zu den ärgerlichsten Gelcoat-Fehlern im Formenbau, weil sie die formgebende Sichtseite betreffen und sich praktisch nicht überpolieren lassen. Der Gelcoat ist die erste, dünne Harzschicht, die später die glatte Bauteiloberfläche bildet – wird sie faltig, ist die ganze Form oder das ganze Teil betroffen.
Die Ursache ist fast immer chemischer Natur: Polyester- und Vinylesterharze enthalten Styrol als reaktives Lösungs- und Vernetzungsmittel (Monomer). Ist der Gelcoat beim Auflaminieren noch nicht weit genug ausgehärtet, weicht das Styrol aus dem frischen Laminierharz die Gelcoat-Schicht auf. Beim anschließenden Schwinden und Vernetzen zieht sich die angelöste Schicht zu Falten zusammen – die typische Krokodilhaut entsteht. Das Fehlerbild kann schon zwischen zwei Gelcoat-Durchgängen auftreten, meist aber beim ersten Laminatauftrag.
Mögliche Ursachen
- Laminat zu früh aufgebracht (Styrol-Angriff)Häufigste Ursache: Das Stützlaminat kommt auf einen noch nicht ausreichend gehärteten Gelcoat. Das Styrol aus dem Laminierharz löst die weiche Gelcoat-Schicht an, die sich beim Schwinden zu Falten zusammenzieht. Als Richtwert nennen viele Hersteller, nach dem Gelcoat etwa 45–60 Minuten zu warten, aber nicht länger als rund 6 Stunden bis zum Laminat – maßgeblich ist immer das Datenblatt, denn die Zeiten hängen stark von Härtermenge und Temperatur ab.
- Zu dünne SchichtdickeEin dünner Gelcoat härtet langsamer durch und wird vom Styrol leichter durchdrungen und angegriffen. Übliche Richtwerte liegen bei rund 0,5–0,7 mm (500–700 µm) Endschichtdicke, in zwei bis drei Durchgängen aufgebaut – dick genug, dass die Form nicht mehr durchschimmert (genaue Vorgaben dem Produktdatenblatt entnehmen).
- Zu wenig oder ungleichmäßig eingemischter HärterBei zu geringer Härter-(MEKP-)Dosierung oder schlecht eingerührtem Peroxid härtet der Gelcoat unvollständig oder fleckig aus. Üblich sind je nach Produkt und Temperatur grob 1–3 % MEKP – die genaue Menge immer nach Datenblatt. Unterhärtete oder ungleichmäßig gehärtete Zonen sind besonders anfällig.
- Zu niedrige VerarbeitungstemperaturKälte verlangsamt die Aushärtung deutlich. Unter etwa 15–18 °C zieht sich der Tack-Zustand stark in die Länge, der Gelcoat ist beim Laminieren noch zu weich. Empfohlen werden meist 18–23 °C für Material, Form und Werkstatt, keinesfalls unter ca. 15 °C.
- Lösemittel oder schnellerer Gelcoat über langsameremDas Verdünnen von Gelcoat mit Lösemitteln (z. B. Aceton) oder das Auftragen eines schnell härtenden Gelcoats über eine noch reagierende, langsamere Schicht stört die gleichmäßige Vernetzung und begünstigt Runzeln.
So behebst du es
- Den betroffenen Bereich vollständig aushärten lassen – nicht versuchen, in den weichen, faltigen Gelcoat hineinzuarbeiten.
- Den runzeligen Gelcoat (und ggf. das darüberliegende Laminat) bis auf tragfähigen, intakten Grund abschleifen oder ausschleifen.
- Fläche gründlich reinigen und entfetten; Schleifstaub und mögliche Lösemittelreste entfernen.
- Gelcoat in ausreichender Schichtdicke (Richtwert 0,5–0,7 mm) und mit exakt nach Datenblatt dosiertem Härter neu aufbauen, bei mindestens 15–18 °C, besser 18–23 °C.
- Den neuen Gelcoat bis zum richtigen Tack-Zustand aushärten lassen (Fingerprobe: klebrig, aber nichts bleibt am Finger hängen), erst dann laminieren.
- Bei nur oberflächlich sehr leichter Ausprägung kann Anschleifen und Polieren genügen – in den meisten Fällen ist jedoch der Neuaufbau die einzig saubere Lösung.
So beugst du vor
- Gelcoat bis zum richtigen Tack-Zustand aushärten lassen: Er darf sich mit dem Fingernagel nicht mehr abkratzen lassen, soll aber noch leicht klebrig sein (Fingerprobe / „Quietsch-Test“: Die Oberfläche quietscht leicht beim Darüberstreichen).
- Zeitfenster einhalten: als Richtwert rund 45–60 Minuten nach dem Gelcoat laminieren, spätestens nach etwa 6 Stunden – sonst leidet umgekehrt die Anbindung. Genaue Zeiten dem Datenblatt entnehmen.
- Ausreichende Schichtdicke (Richtwert ca. 0,5–0,7 mm) in zwei bis drei Durchgängen aufbauen.
- Härter exakt nach Datenblatt dosieren (je nach Produkt grob 1–3 % MEKP) und gründlich, aber blasenarm einrühren.
- Bei 18–23 °C arbeiten (nicht unter ca. 15 °C) und Material, Form sowie Werkstatt vorher temperieren.
- Gelcoat nicht mit Lösemitteln verdünnen und keinen schnellen Gelcoat über eine noch reagierende langsamere Schicht legen.
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