Ob autonomes Patrouillenboot oder Aufklärungsdrohne: Unbemannte Systeme leben von geringem Gewicht und hoher Robustheit – beides Kerntugenden des Faserverbunds. Neu ist die Dimension. Was bisher in kleinen Stückzahlen entstand, soll plötzlich in Serie laufen. Gleich mehrere Industrieallianzen haben 2026 angekündigt, ihre Composite-Fertigung dafür hochzuskalieren.
Unbemannte Schiffe (USV): MARTAC und Mystic Powerboats
MARTAC baut autonome Überwasserfahrzeuge (englisch Unmanned Surface Vessels, USV) wie die Plattformen Devil Ray und MANTAS, seit über zehn Jahren im Einsatz erprobt. Für den Serien-Hochlauf hat das Unternehmen den Bootsbauer Mystic Powerboats an Bord geholt, der auf einer rund 100.000 Quadratfuß großen Fläche fertigt. Dessen Verfahren passen exakt: Epoxid-Harzinfusion, Carbon-Laminat und Sandwich mit Schaumkern – also leichte, hochfeste Rumpfschalen am laufenden Band.
Drohnen (UAV): Schaeffler und Delair
In der Luft macht der deutsche Industriekonzern Schaeffler gemeinsam mit dem französischen Drohnenhersteller Delair Tempo: Eine neue Fertigungslinie soll bis November 2026 bis zu 100 Drohnen pro Tag liefern – darunter die bereits zugelassene Damoclès. Ziel ist eine souveräne europäische Produktion unbemannter Luftsysteme. Dass ein klassischer Zulieferer in die Drohnen-Serienfertigung einsteigt, zeigt, wie sehr Composite-Strukturbau und industrielle Großserie zusammenwachsen.
Der gemeinsame Nenner: Serie statt Einzelstück
- Werkstoffe: leichte Sandwich-Rümpfe aus Glas- oder Carbonlaminat mit Schaumkern – steif bei geringem Gewicht.
- Verfahren: die Vakuuminfusion liefert reproduzierbare, emissionsarme Schalen und skaliert besser als reines Handlaminat.
- Treiber: Verteidigungs- und Sicherheitsbedarf erzeugt plötzlich Stückzahlen, die nach industrieller Fertigung verlangen.
- Engpass: nicht das Material, sondern reproduzierbare Prozesse, Werkzeuge und Durchsatz entscheiden über den Hochlauf.