Im GFK-Bau gibt es eine eigene, oft unterschätzte Materialklasse zwischen reinem Laminat und dickem Sandwichkern: die dünnen Vlies-Stützkerne. Bekannte Namen sind Coremat und Soric (beide vom Hersteller Lantor) sowie baugleiche Kernlagenvliese anderer Anbieter. Sie sind kein Ersatz für PVC-, PET- oder Balsakerne – sie lösen ein anderes Problem. Statt einen leichten, harzarmen Kern in die Mitte des Bauteils zu legen, fügen diese Vliese gezielt Dicke hinzu, indem sie Harz aufnehmen und so eine tragfähige Zwischenschicht bilden.
Was sind Vlieskerne eigentlich?
Ein Vlieskern besteht aus einem Polyestervlies, das mit thermoplastischen Mikrohohlkugeln (Mikroballons) durchsetzt ist. Trocken ist das Material federleicht und biegsam. Beim Laminieren saugt es sich mit Harz voll, wird formbar und härtet anschließend zu einer harzgefüllten, geschäumt wirkenden Schicht aus. Die Mikrokugeln verdrängen Volumen, ohne selbst Harz aufzunehmen – so entsteht mehr Dicke bei vertretbarem Gewicht. Übliche Trockendicken liegen bei rund 1–5 mm. Genau dieses Aufdicken erhöht den Abstand der äußeren Glasfaserlagen voneinander und steigert damit die Biegesteifigkeit deutlich, ähnlich dem Prinzip eines Doppel-T-Trägers, nur in Miniatur.
Coremat oder Soric? Der entscheidende Unterschied
Coremat und Soric werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber für unterschiedliche Verfahren gemacht. Coremat ist für das Handlaminat (und Faserspritzen) ausgelegt und nimmt viel Harz auf. Unter Vakuum würde es zusammengedrückt – für Vakuumsack oder Infusion ist es daher ungeeignet. Soric SF dagegen hat eine wabenähnliche, druckstabile Zellstruktur mit Harzkanälen: Es komprimiert unter Vakuum nicht, hält seine Dicke und wirkt zugleich als eingebautes Fließmedium, das bei der Infusion das separate Fließgitter ersetzen kann.
- Coremat: Handlaminat, hohe Harzaufnahme, baut schnell Dicke auf, nicht vakuumtauglich.
- Soric: Infusion und geschlossene Formen, druckstabil, geringere Harzaufnahme, wirkt als Fließhilfe.
- Beide: dünn (1–5 mm), flächige Versteifung, kompatibel mit Polyester-, Vinylester- und Epoxidharz.
Harzaufnahme – Segen und Schwäche zugleich
Die Harzaufnahme ist das Kernmerkmal dieser Vliese. Für Coremat werden je nach Dicke grob 1,8 kg Harz pro Quadratmeter genannt; die Trockendichte liegt bei etwa 25 kg/m³, getränkt steigt sie auf rund 630 kg/m³. Soric SF nimmt weniger Harz auf – etwa 1,0 kg/m² (2 mm) bis 1,3 kg/m² (3 mm) – bei einer Trockendichte um 62 kg/m³ und getränkt rund 700 kg/m³. Diese Werte zeigen den Zielkonflikt: Vlieskerne bauen günstig und einfach Steifigkeit auf, kosten aber Harz und bringen damit auch Gewicht ein. Gegenüber reinem GFK gleicher Dicke spart Coremat dennoch grob ein Drittel Gewicht, gegenüber einem echten Schaumkern ist es aber schwerer.
Abgrenzung zu Schaumkernen und Balsa
Schaumkerne (PVC, PET, PU), Balsa und Waben sind echte Sandwichkerne: Sie sind dicker (oft 5–30 mm und mehr), nehmen idealerweise kaum Harz auf und liefern ein hervorragendes Steifigkeits-zu-Gewichts-Verhältnis. Vlieskerne spielen in einer anderen Liga – sie sind dünn, harzhungrig und auf einfache flächige Versteifung statt auf maximale Leichtbauleistung optimiert. Faustregel: Großflächige, hochbelastete Strukturen mit Schaum oder Balsa, lokale Versteifung und harzgefüllte Zwischenlagen mit Vlieskernen.
| Kriterium | Vlieskerne (Coremat/Soric) | Schaum-/Balsakerne |
|---|---|---|
| Typische Dicke | 1–5 mm | 5–30 mm und mehr |
| Harzaufnahme | hoch (Coremat) bis mittel (Soric) | gering bis sehr gering |
| Steifigkeit pro Gewicht | mäßig | hoch bis sehr hoch |
| Verarbeitung | Coremat = Handlaminat, Soric = Infusion | Handlaminat, Vakuum, Infusion |
| Hauptzweck | flächige Versteifung, Dicke aufbauen | echter Leichtbau-Sandwichkern |
Typische Anwendungen
- Bootsbau: Versteifung von Rumpf- und Deckspaneelen, Kajaks, Surfboards.
- Behälter- und Fahrzeugbau: großflächige Wände und Verkleidungen ohne dicken Sandwichaufbau.
- Modellbau: gezielte lokale Verstärkungen statt vollflächiger Kerne.
- Allgemein: überall dort, wo eine dünne, formbare Versteifungslage genügt.
In der Praxis lässt sich Coremat dank des biegsamen Vlieses gut an Rundungen anlegen, neigt aber bei zu viel Harz zu unkontrollierter Dicke – Entlüftungsrollen und Augenmaß sind hier wichtig. Soric punktet, wenn ohnehin im Infusionsverfahren gearbeitet wird, weil es den Harzfluss übernimmt und gleichmäßige Wandstärken liefert.