Im Caravaning-Selbstausbau hat sich die Sandwichbauweise durchgesetzt, weil sie ein altes Dilemma löst: Die Kabine soll gleichzeitig leicht, steif, gut gedämmt und wetterfest sein. Profis nennen den Schichtaufbau gern „Zwiebelprinzip“: außen eine dünne Deckschicht aus Aluminium oder GFK, in der Mitte ein Dämmkern aus Schaum, innen eine Sperrholz- oder Kunststoffplatte. Die GFK-Variante ist beliebt, weil sie verrottungsresistent, schlag- und hagelfest ist und sich – im Gegensatz zu Alu – auch teilweise reparieren lässt.
Warum Sandwich überhaupt funktioniert
Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Doppel-T-Träger: Der leichte, druckfeste Kern hält die beiden dünnen, festen Deckschichten auf Abstand. Dadurch entsteht eine große wirksame Wanddicke bei sehr geringem Gewicht. Erst das Zusammenspiel macht die Platte biegesteif – die Deckschichten nehmen Zug und Druck auf, der Kern überträgt die Schubkräfte. Genau deshalb ist die Verklebung zwischen Kern und Deckschicht das Herzstück: Löst sie sich, ist die statische Wirkung dahin.
Den richtigen Kern wählen
- EPS (Styropor): günstig, aber durch Kapillarwirkung feuchtesaugend – im Wohnmobil eher problematisch.
- XPS (z. B. Styrodur): geschlossenzellig, nimmt so gut wie kein Wasser auf, Wärmeleitfähigkeit rund 0,03–0,04 W/(m·K); guter Allrounder für Wände und Boden.
- PU-Hartschaum: fest und verrottungsresistent, oft als Industrie-Sandwichkern; verdrängt zunehmend tragende Holzleisten an den Kanten.
- PVC- oder PET-Hartschaum (aus dem Bootsbau): hochwertiger, formstabiler und für tragende, hoch belastete Stellen geeignet; PET enthält kein organisches Material, das Wasser aufnehmen und schimmeln könnte.
Ein gängiger Richtwert aus der Praxis: Eine GFK-Sandwichplatte mit rund 40 mm Gesamtdicke wiegt etwa 6,4 kg/m². DIY-Aufbauten kombinieren häufig etwa 2–3 mm GFK außen, 30–50 mm Schaumkern und innen eine dünne Sperrholz- oder GFK-Deckschicht.
Platten und Möbel selbst laminieren
Leichte Platten lassen sich auch ohne große Maschine herstellen. Den Hartschaum anschleifen, entstauben und entfetten, mit Harz grundieren, Glasgewebe auflegen und mit Pinsel oder Laminierwalze so lange durchtränken, bis keine weißen Stellen mehr zu sehen sind – das Gewebe wird durchsichtig. Ein abschließendes Abreißgewebe spart später viel Schleifen und hinterlässt eine saubere, raue Klebefläche. Wichtig: Auf XPS/EPS niemals Polyesterharz mit seinem Lösemittelanteil geben, das frisst den Schaum an – hier gehört Epoxidharz hin. Wer eine Vakuumpresse hat, erzielt eine deutlich bessere, blasenfreie Verklebung; bei großen Flächen lohnt sich der Aufwand.
Anbinden, verkleben, Kanten schließen
- Plattenstöße innen mit Glasgewebeband und Epoxidharz überlaminieren – das macht aus Einzelplatten eine steife, dichte Kiste.
- Handelsübliche GFK-Platten sind oft nur etwa 125 cm breit; größere Wände müssen gestückelt werden, was die Stoßverklebung umso wichtiger macht.
- Anbauteile, Fenster und Möbel möglichst auf eingelassene Verstärkungen (Holz-, Alu- oder Hochlast-Schaum-Inserts) schrauben, nicht in den weichen Kern.
- Klebefugen elastisch und dauerhaft dicht ausführen – starre Verbindungen reißen bei Temperaturwechsel auf.
Feuchte und Dämmung – der wunde Punkt
Die meisten Aufbauschäden gehen nicht auf Schlaglöcher zurück, sondern auf Wasser. Über undichte Aufbaukanten, Dachhauben oder Fenster dringt Feuchte ein; bei Holz- oder EPS-Kernen beginnt der Kern zu modern und die Struktur geschwächt – im schlimmsten Fall ein wirtschaftlicher Totalschaden. Deshalb gilt: geschlossenzelliger Kern, lückenlos verschlossene Kanten und regelmäßige Dichtigkeitskontrolle. Beim Dämmen sind Kältebrücken zu vermeiden, denn dort fällt unter dem Taupunkt Kondenswasser aus und es droht Schimmel. Stöße lassen sich z. B. mit Armaflex-Klebeband überbrücken.
Außenhaut reparieren: Risse und Delamination
Delamination – das Ablösen der Außenhaut vom Kern – entsteht oft durch unterschiedliche Wärmeausdehnung der Sandwichschichten: Bei Temperaturwechseln arbeiten Deckschicht und Kern gegeneinander, bis die elastische Klebung ermüdet. Kleinflächige Ablösungen lassen sich von innen unterspritzen: zwei 5–6 mm-Bohrungen oben und unten zur Außenhaut setzen, prüfen ob Luft durchgeht, dann dünnflüssigen Kleber langsam ins untere Loch drücken, bis er oben austritt. Echte Löcher und Risse in der GFK-Außenhaut werden klassisch geschliffen, gespachtelt, neu überlaminiert und lackiert – ein klarer Vorteil von GFK gegenüber Aluminium.