Faserverbund hat einen großen Vorteil: Fast jeder Schaden lässt sich reparieren – oft so, dass die Stelle hinterher kaum noch zu finden ist und wieder voll trägt. Der Schlüssel ist, den Schaden zuerst richtig einzuordnen: Ist nur die Oberfläche betroffen, oder sind tragende Fasern gerissen?

Schritt 1: Schaden einschätzen
- Kosmetisch: Kratzer und kleine Krater nur im Gelcoat – kein Festigkeitsverlust.
- Strukturell: Risse, Löcher, Delaminationen oder Weißbruch im Laminat – die Fasern sind unterbrochen, die Festigkeit ist weg.
- Verdeckt: hohl klingende Stellen (Klopftest) deuten auf Delamination unter intakter Oberfläche hin.
Kosmetische Reparatur (nur Gelcoat)
Oberflächenschäden werden ausgeschliffen, gereinigt, mit farblich angepasstem Gelcoat oder Topcoat gefüllt, anschließend geschliffen und poliert. Wichtig: An offener Luft härtet Polyester-Gelcoat klebrig – hier braucht es Topcoat (mit Paraffin) oder eine abdeckende Folie. Details dazu stehen in der verlinkten Praxis-Anleitung zu Gelcoat-Fehlern.
Strukturelle Reparatur: die Schäftung (Scarf)
Bei tragenden Schäden reicht kein Aufdoppeln. Stattdessen schäftet man: Das Laminat wird rund um den Schaden flach und kegelförmig ausgeschliffen, sodass jede Faserlage als Klebefläche freiliegt. Auf dieser Treppe baut man das Laminat Lage für Lage neu auf. Die Schräge sorgt für eine große Überlappung und damit für eine Verbindung, die fast die ursprüngliche Festigkeit erreicht.
- Schäftverhältnis: üblich sind flache 1:12 bis 1:20 (also 12–20 mm Anschliff je 1 mm Laminatdicke).
- Sauberkeit: Schleifstaub und Fett restlos entfernen, sonst hält die Klebung nicht.
- Lagenaufbau: von der größten zur kleinsten Lage (oder umgekehrt) im richtigen Faserwinkel, nass in nass.
- Harzwahl: Epoxid haftet hervorragend und schwindet wenig – die erste Wahl für strukturelle Reparaturen, auch auf Polyesterlaminat.
Aushärten und Finish
Nach dem Aushärten (bei Bedarf getempert) wird die Reparatur verschliffen und mit Gelcoat/Topcoat oder Lack optisch angeglichen. Eine gute Schäftreparatur ist mechanisch dauerhaft und bei farblicher Anpassung kaum sichtbar.