Bei der Vakuuminfusion – auch VARTM (Vacuum Assisted Resin Transfer Molding) genannt – werden trockene Fasern in die Form gelegt, luftdicht mit einer Folie abgedeckt und das Innere evakuiert. Der entstehende Unterdruck saugt das flüssige Harz von selbst durch das Gelege. Das ist sauberer und emissionsärmer als Handlaminat und liefert einen hohen, gleichmäßigen Faseranteil – ideal für Bootsrümpfe, Windblätter oder große Strukturteile.

Aufbau einer Vakuuminfusion: Form/Werkzeug, Laminat aus Glasgewebe, Abreißgewebe (Peel-Ply), Lochfolie, Fließhilfe und Vakuumfolie mit Dichtband; seitlich Harzzulauf sowie Absaugung über Harzfalle zur Vakuumpumpe.
Lagenaufbau der Vakuuminfusion – vom Werkzeug bis zur Vakuumfolie, inklusive Harzzulauf, Harzfalle und Pumpe.KI-generiert

So funktioniert der Harzfluss

VARTM ist gewissermaßen ein RTM, bei dem die obere Formhälfte durch eine Vakuumfolie ersetzt wird. Der Druckunterschied – außen Atmosphäre, innen Vakuum – treibt das Harz an. Eine Fließhilfe (Flow Media) auf dem Laminat verteilt das Harz zuerst schnell über die Fläche; von dort sickert es nach unten durch die Faserdicke. Genau dieses Zusammenspiel aus schneller Flächenströmung und langsamerer Tiefenströmung muss man im Griff haben.

  1. Trockene Faserlagen in die Form einlegen.
  2. Abreißgewebe, Fließhilfe und Anschlüsse positionieren.
  3. Vakuumfolie aufbringen, abdichten und Dichtheit prüfen.
  4. Vakuum ziehen und das Harz über die Leitung einsaugen lassen.
  5. Aushärten, entformen, beschneiden, prüfen.

Typische Fehler – und woher sie kommen

  • Trockenstellen (Dry Spots): Bereiche, die das Harz nicht erreicht – oft durch falsch gesetzte Anschlüsse oder zu früh gelierendes Harz.
  • Poren und Lufteinschlüsse: Wenn die Flächenströmung der Tiefenströmung davonläuft, wird Luft eingeschlossen.
  • Race-Tracking: Das Harz nimmt Abkürzungen entlang Kanten oder Lücken und umfließt die Faser, statt sie zu tränken.

Viele dieser Fehler lassen sich durch durchdachtes Anschluss-Layout, passende Harzviskosität und – zunehmend – durch Sensorik vermeiden. Wie sich Fließfront und Aushärtung in Echtzeit überwachen lassen, behandelt ein eigenes Dossier zum Cure Monitoring.