Beim Braiding werden drei oder mehr Faserstränge diagonal zur Bauteilachse miteinander verflochten – wie bei einem Zopf, nur technisch präzise. Eine Sonderform ist das Overbraiding: Hier flicht eine ringförmige Flechtmaschine die Fasern direkt über einen Kern oder ein Profil. So entsteht eine endkonturnahe Verstärkung (near-net-shape) in einem schnellen, gut automatisierbaren Schritt.

Flechtprozess (Braiding): Faserbündel laufen im Rautenmuster auf einen zylindrischen Flechtkern (Liner) zu – vorn noch unbedeckt, dahinter das fertige Geflecht mit etwa ±45 Grad Faserwinkel.
Braiding: Faserbündel werden diagonal – typisch um ±45° – direkt um den Kern geflochten; endkonturnah und ideal für Rohre und Hohlprofile.KI-generiert

Warum Braiding so praktisch ist

  • Endkonturnah: Das Geflecht legt sich dank seiner „Fingerfallen“-Struktur (biaxiales Braid) sauber über Kerne und Werkzeuge – wenig Verschnitt, wenig Nacharbeit.
  • Kosteneffizient: hohe Ablageraten, gut automatisierbar – ideal für mittlere bis große Stückzahlen.
  • Lastgerecht: Der Flechtwinkel lässt sich gezielt einstellen; mehrlagiges Flechten ergibt sogar 3D-Geflechte.
  • Robuste Naht-freie Strukturen: besonders stark bei Hohlprofilen und Rohren.

Wo es eingesetzt wird

Typische Anwendungen sind overbraidete Kraftstoffleitungen, Luftkanäle, Raketenstartrohre und Flugzeug-Strukturteile, aber auch Sportgeräte (Masten, Golfschäfte, Fahrradkomponenten). 2026 dringt Braiding in neue Felder vor: A&P Technology treibt das Overbraiding für die US-Verteidigung voran, und Composite Braiding Ltd zeigt, wie sich damit hochvolumige, geometrisch komplexe Strukturbauteile für die Schieneninfrastruktur wirtschaftlich fertigen lassen (siehe Rail-Dossier). Automatisierte Fehlererkennung erhöht zusätzlich Tempo und Zuverlässigkeit.

Im Verfahrens-Spektrum sitzt Braiding zwischen dem flexiblen, aber langsamen Handlaminat und der präzisen, aber teuren automatisierten Faserablage (AFP) – und ist damit eine eigene, eigenständige Prozessklasse.