Braiding (deutsch Flechten) ist ein textiles Verfahren, bei dem mehrere Faserstränge diagonal und sich kreuzend umeinander verflochten werden – ganz ähnlich einem geflochtenen Zopf, aber von einer Flechtmaschine um einen Formkern (Mandrel) gelegt. So entsteht ein nahtloser, schlauchförmiger Faserverbund, der den Kern eng umschließt.

Flechtprozess (Braiding): Faserbündel laufen im Rautenmuster auf einen zylindrischen Flechtkern (Liner) zu – vorn noch unbedeckt, dahinter das fertige Geflecht mit etwa ±45 Grad Faserwinkel.
Braiding: Faserbündel werden diagonal – typisch um ±45° – direkt um den Kern geflochten; endkonturnah und ideal für Rohre und Hohlprofile.KI-generiert

Bi- und triaxial

Beim Biaxial-Geflecht laufen die Fasern in zwei sich kreuzenden Diagonalrichtungen (typisch ±45°) – ideal gegen Verdrehung (Torsion). Beim Triaxial-Geflecht kommen zusätzlich Längsfasern (0°) hinzu, die das Profil auch in Längsrichtung versteifen. Über den Flechtwinkel lässt sich das Eigenschaftsprofil gezielt einstellen.

Stärken der Flechttechnik

  • Endkonturnah (near-net-shape): wenig Verschnitt, das Geflecht sitzt direkt in der gewünschten Form.
  • Hohe Automatisierung: schnell und reproduzierbar, dadurch kosteneffizient in Serie.
  • Sehr gut für Hohlprofile, Rohre und komplexe Querschnitte – auch über Kurven und Verzweigungen.
  • Exzellente Torsions- und Schlagfestigkeit durch die ineinander verschlungenen Fasern (gutmütiges Schadensverhalten).
  • Die durchgehenden, gekreuzten Fasern verteilen Lasten gut und sind unempfindlicher gegen Delamination.

Grenzen

  • Für flächige Bauteile weniger geeignet als Gewebe, Gelege oder Wickeln.
  • Erfordert eine Flechtmaschine und einen passenden Formkern – Investition und Einrichtung.
  • Das Geflecht muss anschließend mit Harz getränkt werden (oft per Infusion oder RTM).

Typische Anwendungen

Braiding findet sich überall dort, wo leichte, verdrehsteife Hohlkörper gefragt sind: Antriebs- und Kardanwellen, Fahrradrahmen und -gabeln, Hockeyschläger und Skistöcke, Druckbehälter, Rohre und Strukturprofile in Fahrzeug- und Luftfahrt. Kombiniert mit Vakuuminfusion oder RTM entstehen daraus seriennahe Hochleistungsbauteile.